mit ohne Anfassen

Die Turnhalle ist gesperrt, der Pausenhof bevölkert, die Zeit für den Spielplatz zu knapp. Also schieben wir die Tische und Stühle zur Seite und ich schalte den Cd-Player an. „Frau Streng, das klingt so irgendwie nach Tanz!?!“ BINGO! „Jupp, jetzt wird getanzt!“
Die Viertklässler stöhnen und motzen als würde man sie zur Schlachtbank schleifen und vorher noch zwingen das ekligste Kind der Klasse zu heiraten. Ich rufe über die Meuterei hinweg die erlösenden Wort: „Aber mit ohne Anfassen!“
Jubel bricht aus. Tanzen ist nämlich toll (Frau Streng macht nur coole Tänze *jaha*), aber nur mit ohne Anfassen!

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Der neue…

…Lehrerplaner für das kommende Schuljahr ist da. Ich probiere (wie so oft) mal wieder einen mir bisher unbekannten Planer aus.
Ich bin verliebt, ich gebe es gerne zu. Aber ob sich aus dem anfänglichen Herzklopfen auch eine dauerhafte Liebe entwickeln kann, das wird erst die Zeit und tägliche Nutzung zeigen. Diesmal habe ich mich in das eher…sagen wir mal…höherpreisige Segment begeben, Sticker inklusive. Mal sehen, ob er hält, was er verspricht. Er ist jedenfalls schon mal wunderschön, gut aufgebaut, viel Raum für Notizen, eine angenehme Farbe (Gelb und Pink…das kann ich im Lehrerzimmer echt nicht mehr sehen)….
Habt ihr euch schon entschieden?

Geständnisse

Ich warte an der Zimmertür bis auch die letzten Vorkurskinder herauströpfeln und sich mehr oder weniger in einer irgendwie gearteten Reihe aufstellen, damit ich sie wieder in den Kindergarten bringen kann. Leira hüpft an mir vorbei in Richtung Gewusel, dreht sich noch einmal um und ruft in singendem Tonfall: „Frau Streheng, ich lieeeeebe dich!“

Bester Job der Welt!

Ferienselbstsabotage

Seit gut 2 Jahren wohnt die Mini-Familie Streng also nun im Hexenhäuschen, das schon beinahe 100 Jahre alt ist. Innen ist es schon faaaast fertig. Immer wenn man glaubt, dies sei aber nun die letzte Renovierungstätigkeit fällt einem ein, dass die Waschküche ja noch einen Fliesenboden braucht und das Carport noch vergrößert werden muss und und und.
Diese „Ferien“ sabotierten wir uns diesmal selbst, indem wir das Projekt Treppe in Angriff nahmen.
Aber es wäre ja unspannend, wenn alles einfach funktionieren würde. Dann wären wir nämlich schon seit ein paaar Tagen fertig und würden faul auf der (auch noch renovierungsbedürftigen) Terrasse die Seele baumeln lassen.
Doch das Treppenhaus hat sich gegen uns verschworen. Nicht eine, nicht zwei, nein drei Lack/Farbschichten traten unter dem aufgeklebten Teppich zu Tage. Seit einer Woche wird also nun bis spät in die Nacht gehobelt, geschliffen, gefeilt, lackiert und gestrichen.
Nach vielen, vielen Stunden Arbeit haben wir nun Rückenweh, Knieschmerzen, Muskelkater in den Armen und Lackflecken an den unmöglichsten Körperstellen, doch der Kampf ist noch nicht gewonnen. Die neue Farbe hät nicht überall, es bilden sich lustige Muster und an manchen Stellen platzt die neue Farbe einfach wieder ab sobald sie getrocknet ist. Heute wird also ein Speziallack aufgetragen, der es nun retten muss, da wir uns kaum mehr bewegen können.
Ach, ich freue mich auf Montag, wenn ich wieder in die „Arbeit“ darf.

Rad“fahren“

Ja, es ist wieder soweit. Der Fahrradführerschein nimmt uns voll in Beschlag.
Gestern war die erste praktische Übungseinheit mit der Verkehrspolizei dran.
Alle Kinder behaupteten zuvor, sie könnten hervorragend Rad fahren.
Was soll ich sagen: keiner hat sich etwas gebrochen (wenn auch nur haarscharf).
Drei Kinder können gar nicht Rad fahren und üben nun gemeinsam auf der Wiese neben dem Verkehrsübungsplatz.
Nur zwei Kinder sind als Geisterfahrer in den Gegenverkehr gerauscht.
Ein Kind fuhr gegen die Hausmauer (zweimal! An der selbe Stelle!).
Zwei Kinder bemühten sich, einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen.
Einer fiel vom Fahrrad beim Aufsteigen.
Einer kollidierte mit dem Vordermann, weil er zu sehr damit beschäftigt war dem von rechts kommenden die Vorfahrt zu nehmen.

Aber: das Wetter war gut.
Alles in allem: ein gelungener Auftakt!

Händchenhalten erwünscht

„Almabtrieb“ nenne ich das gerne, wenn am Ende der Pause zwei Lehrkräfte 200 Vierklässler von einen in den anderen Pausenhof scheuchen müssen. Raumgreifende Armbewegungen unterstützen meine Aufforderungen („Herrje, Suzanna, nun komm doch bitte da runter!“), Anfeuerungsrufe („Hoppigaloppi Joseph, jetzt aber schnell!“) und Drohungen („Sonst gehst du eben bei mir an der Hand hinüber!“). Verdutzt und geschmeichelt war ich, als gestern eine Schülerin aus der Parallelklasse strahlend antwortete: „Ich würde voll gern an deiner Hand laufen, Frau Streng!“ und mir die Hand hinstreckte.
Bester Job der Welt!

„Wer glaubt,

dass Schulleiter Schulen leiten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter, Zitronen falten.“
Dieser Spruch hat mich so lange amüsiert, so lange es bei uns an der Schule einfach rund lief. Die Schulleitung war seit Jahren bei uns, sehr souverän, zu allen ein recht gutes Verhältnis, man durfte mitmischen, wenn man wollte und wurde gut unterstützt.
Nun haben wir seit ganz kurzer Zeit eine neue Schulleitung. Es läuft jetzt eher eckig als rund.
Und mir wird erstmals schmerzlich bewusst, wie sehr sich dies auf das Kollegium, das Miteinander und meine eigene Arbeitsmotivation auswirkt. Ich liebe meinen Job und die Arbeit mit den Kids erfüllt mich sehr. Wenn ich mich aber dabei ertappe, wie ich in der Pause lieber korrigiere als im Lehrerzimmer evtl dem Chef über den Weg zu laufen…dann merke ich, es läuft eher eckig…sehr eckig.