Händchenhalten erwünscht

„Almabtrieb“ nenne ich das gerne, wenn am Ende der Pause zwei Lehrkräfte 200 Vierklässler von einen in den anderen Pausenhof scheuchen müssen. Raumgreifende Armbewegungen unterstützen meine Aufforderungen („Herrje, Suzanna, nun komm doch bitte da runter!“), Anfeuerungsrufe („Hoppigaloppi Joseph, jetzt aber schnell!“) und Drohungen („Sonst gehst du eben bei mir an der Hand hinüber!“). Verdutzt und geschmeichelt war ich, als gestern eine Schülerin aus der Parallelklasse strahlend antwortete: „Ich würde voll gern an deiner Hand laufen, Frau Streng!“ und mir die Hand hinstreckte.
Bester Job der Welt!

„Wer glaubt,

dass Schulleiter Schulen leiten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter, Zitronen falten.“
Dieser Spruch hat mich so lange amüsiert, so lange es bei uns an der Schule einfach rund lief. Die Schulleitung war seit Jahren bei uns, sehr souverän, zu allen ein recht gutes Verhältnis, man durfte mitmischen, wenn man wollte und wurde gut unterstützt.
Nun haben wir seit ganz kurzer Zeit eine neue Schulleitung. Es läuft jetzt eher eckig als rund.
Und mir wird erstmals schmerzlich bewusst, wie sehr sich dies auf das Kollegium, das Miteinander und meine eigene Arbeitsmotivation auswirkt. Ich liebe meinen Job und die Arbeit mit den Kids erfüllt mich sehr. Wenn ich mich aber dabei ertappe, wie ich in der Pause lieber korrigiere als im Lehrerzimmer evtl dem Chef über den Weg zu laufen…dann merke ich, es läuft eher eckig…sehr eckig.

Junkie

Hatte ich mal erwähnt, dass ich Serienjunkie bin? Das lebe ich aber in den Ferien nur so richtig aus. Dazwischen inhaliere ich Bücher.
In den letzten Wochen zum Beispiel dieses (aber auf 3 Tage verteilt), dieses hier (eine knappe Woche Lesezeit), dann DIESES (an einem Nachmittag/Abend…da wurde weder gearbeitet, noch gekocht…darauf habe ich zu lange gewartet) und zuletzt jenes an einem regnerischen Wochenende. Ihr seht ja, es muss spannend und darf auch mal blutig sein.
Aber keines dieser Bücher stahl sich bisher in meine Träume.
Wohl aber die 6.Staffel einer meiner absoluten Lieblingsserie.Die ferienhabende Grundschullehrerin flüchtete also letzte Nacht im Traum vor den Zombies, zermatschte einige Hirne und rettete (wie soll es auch anders sein) natürlich ein paar Kinder auf der Flucht *seufz* Der Job steckt einfach ganz tief in mir drin 😉
War jedenfalls keine so ganz erholsame Nacht.
Heute werde ich zur Vorbereitung auf die finale Staffel meiner anderen Lieblingsserie deren vorletzte Staffel noch einmal ansehen und damit ein Gegenfeuer legen.
Mal sehen, was heute Nacht dann los ist. Ich tippe auf Zombies in Reifröcken und hoffe, dass sich nicht noch die Sektenmitglieder aus meinem Neufund dazu mogeln, denn Kinder retten während ich von in Spitze gehüllten Zombies verfolgt werde und dabei die Sektenmitglieder befreien muss…das könnte eine anstregende Nacht werden.

In den Ferien…

…habe ich ganz wenig gearbeitet und mich ganz viel erholt. Das habe ich einfach so mal gemacht und das tat richtig gut.
Nebenbei habe ich mal wieder auf den Internetseiten und Facebookseiten meiner Lieblings-Schulbuchverlage gesurft, das eine oder andere Gewinnspiel entdeckt, mitgemacht und was gewonnen. Und schon ist die pädagogische Bibliothek wieder um ein tolles Werk reicher. Nein, ich mache jetzt keine Werbung für eine bestimmte Lehrerhandreichung. Ich freu mich nur und stelle fest:
Glück kommt!
Braves Universum 🙂

So nötig

Wenn 2 (in Worten: zwei!) Eltern unabhängig voneinander um einen dringenden Sprechstundentermin bitten, um sich dann bzgl der letzten HSU-Probe zu erkunden, warum denn die Antwort „Weltmeisterpokal“ falsch sei auf meine Frage „Welcher Preis wird alle 2 Jahre an Menschen oder Gruppen verliehen, die sich in besonderer Weise für die Menschenrechte einsetzen?“…also dann braucht man einfach wirklich dringend eine Woche Herbsferien!

Sobald die Sonne hervorspitzt…

…geht die Haus- und damit auch Gartenbesitzerin…nein…nicht in den Garten *pffff*
Wäre ja noch schöner! Da müsste ich ja arbeiten *bäh*
Nein: sie geht ins Garten-Center und guckt, was es für den Garten alles Schönes geben könnte. Herr Streng beschäftigt sich dort mit Insektenhotels und Heckenalternativen zur hässlichen, jedoch reichlich vorhandenen Thuja
während Frau Streng sich bei Deko und Gartenmöbeln umtut.Wirklich eingekauft haben wir nicht, aber das Gucken und sich das für DEN EIGENEN GARTEN vorstellen…achja, das ist schön. Langsam gewöhne ich mich an den Gedanken, dass das jetzt unser Eigenheim und unser Eigengarten ist. An den Gedanken, dass ich da auch die Gartenarbeit machen müsste…also an den kann ich mich noch nicht gewöhnen…das dauert vielleicht noch ein paar Jährchen.

unliebsamer Besuch

Keiner hat sie eingeladen, aber das ist Vera egal.
Sie macht sie einfach mal an drei Unterrichtstagen breit bei mir und prüft bei meinen Schülern Dinge ab, die ich SO nie von ihnen verlangen würde. Sie zwang meine Klasse, die aus 90% Migranten besteht, gestern zu zwei Lesetexten (1 A4 Seite und mehr Text) Fragen zu beantworten und gab ihnen jeweils nur 20 Minuten Zeit.
Heute wollte sie, dass die Kinder sich drei verschiedene Texte anhören. Nach jedem Hörtext mussten Fragen beantwortet werden. Maximale Arbeitszeit jeweils 15 Minuten, 5 davon gingen für den Hörtext drauf. Aber Vera bestand darauf, dass das Hören schon zur Arbeitszeit gerechnet wird und dass man den Text nur einmal (!!!!) anhören darf und dann alle Fragen lösen können muss.Natürlich möchte Vera, dass ich alles korrigiere und anonymisiert an sie weitergebe. Die faule Nuss denkt sich den Mist aus, aber korrigieren darf ihn dann wieder mal die Klassenlehrerin. Netterweise durfte ich ihr mitteilen, ob da Kinder getestet werden, bei denen Notenaussetzung vorliegt (bei mir 2),
wie viele Legastheniker ich habe, hat sie jedoch nicht interessiert…ich habe es ihr trotzdem gesagt.
Nun bin ich froh, dass sie endlich weg ist…doch der Friede währt nicht lange:
Nächste Woche testet Vera meine Klasse in Mathe. Vermutlich lässt sie Daten und Wahrscheinlichkeiten errechnen, da sie (ganz im Gegensatz zu mir) profane mathematische Operationen wie z.B. die schriftliche Addition (erfahrungsgemäß) nicht so wichtig findet. Dass ich noch keine Zeit hatte mit Kombinatorik zu experimentieren, weil bei mir immer noch nicht jeder das Einmaleins, den Zahlenraum usw. erfasst hat, wird Vera mal wieder gar nicht interessieren, aber sagen werde ich es ihr trotzdem.
Jetzt kenne ich die Vera ja schon ein paar Jährchen, aber ich muss leider ehrlich sagen:
sympathisch ist sie mir immer noch nicht.

Wortschatzerweiterung

Die Frau Streng hat heute auf der Fortbildung ein neues Wort gelernt! Jaha!
Und zwar: Prosodie!
Bei Lehrern ist die total wichtig! Und drüber geredet haben wir auch.
Als wir dann alle mal wussten, was gemeint war *kicher*
Und ich verwendete bisher so profane Begriffe wie
„Lehrersprache“, „Ausdruck“, „Intonation“…. um mich auf einer Metaebene über
diesen Aspekt guten Unterrichts auszutauschen.
Aber nicht mehr ab heute. Nun kenne ich diesen wohlklingenden Überbegriff,der auch noch ungemein schlau klingt 🙂