Welttag des Buches

Schon vor den Ferien schürte ich das Feuer die Neugier.
Einen Ausflug würde es nach Ostern geben, an einen besonderen Ort und jeder würde dort ein Geschenk erhalten.
Tagelang rätselten die Kinder: um welch mysteriösen Ort könnte es sich handeln, was würde das Geschenk sein?
Am Freitag vor Ostern dann die Auflösung: Nach den Ferien darf die ganze Klasse mit mir in meine allerliebste Lieblingsbbuchhandlung.
Wir werden viel darüber hören wie Bücher entstehen, wie Schrift entstand, werden Buchstabenkekse essen, bekommen die neusten
Kinderbücher vorgestellt und am Ende darf jeder seinen Gutschein gegen das Buch zum Welttag des Buches eintauschen, das ihm dann gehört.
Als Plakat betrachteten wir vorab das Cover und vermuteten zum Inhalt, die Neugier wuchs.
Nach den Ferien ging es dann eeeeeendlich zur Buchhandlung.
Die Lieblingsbuchhandlung von Frau Streng. Eine Ehre! Das war jedem klar.
Meine Klasse zeigte sich von ihrer allerbesten Seite. Mucksmäuschenstill lauschten sie den Buchhändlerinnen, meldeten sich rege, zeigten sich interessiert. Nur einen Keks aß jeder („wir sind ja nicht zum essen da, gell Frau Streng“)
und mit besonderer Vorsicht wurden Bücher betrachtet und einige erworben (der einzige Ausflug, bei dem man Geld mitnehmen darf).
Der Heimweg war hart („dürfen wir beim Laufen wenigstens ein bisschen lesen?“ „Nur hinten den Klappentext, bitte!“ „Frau Streheng, können wir mal kurz Pause machen und ein bisschen lesen?“)
und die letzte Schulstunde umso enstpannter: Sofort wurde gelesen, gewissermaßen inhaliert. Man hätte eine Stecknadel fallen lassen können.

Freiwillig Wiederholen

Manchmal nötig, manchmal unnötig gewünscht von Elternseite, manchmal würde es nicht schaden, muss aber auch nicht zwingend sein, wie bei meinem heutigen Elterngespräch:
Ich sitze mit Frau Hernández zusammen und wir besprechen die Leistungen ihres Sprößlings. Er bemüht sich sehr, er geht so gerne in die Schule, die Leistungen sind aber immer noch recht schwach. Freiwilliges Wiederholen könnte sinnvoll sein, deute ich an und werde sofort unterbrochen:
Das Kind sei noch nie gerne in die Schule gegangen und liebt die Schule seit ich die Lehrerin sei. Jeden Nachmittag erhält die Mutter tiefe Einblicke in den vorausgegangenen Unterrichtsvormittag, da ihr jede strengsche Äußerung mit tiefer Ehrfurcht nacherzählt werde. Sie meint: „Ich könnte nicht besser informiert sein, wenn ich mich selbst um 8 Uhr zu Ihnen ins Klassenzimmer setzen würde.“
Und was ein evtl. freiwilliges Wiederholen angeht, das habe sie dem selbstbewussten Sohnemann gegenüber auch schon angedeutet und dieser habe sofort ganz klar Stellung bezogen: „Nein! Das kommt nur in Frage, wenn ich dann bei Frau Streng in der Klasse wäre. Zu einer anderen Lehrerin gehe ich nicht.“
Ach ja 🙂

Händchenhalten erwünscht

„Almabtrieb“ nenne ich das gerne, wenn am Ende der Pause zwei Lehrkräfte 200 Vierklässler von einen in den anderen Pausenhof scheuchen müssen. Raumgreifende Armbewegungen unterstützen meine Aufforderungen („Herrje, Suzanna, nun komm doch bitte da runter!“), Anfeuerungsrufe („Hoppigaloppi Joseph, jetzt aber schnell!“) und Drohungen („Sonst gehst du eben bei mir an der Hand hinüber!“). Verdutzt und geschmeichelt war ich, als gestern eine Schülerin aus der Parallelklasse strahlend antwortete: „Ich würde voll gern an deiner Hand laufen, Frau Streng!“ und mir die Hand hinstreckte.
Bester Job der Welt!

„Wer glaubt,

dass Schulleiter Schulen leiten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter, Zitronen falten.“
Dieser Spruch hat mich so lange amüsiert, so lange es bei uns an der Schule einfach rund lief. Die Schulleitung war seit Jahren bei uns, sehr souverän, zu allen ein recht gutes Verhältnis, man durfte mitmischen, wenn man wollte und wurde gut unterstützt.
Nun haben wir seit ganz kurzer Zeit eine neue Schulleitung. Es läuft jetzt eher eckig als rund.
Und mir wird erstmals schmerzlich bewusst, wie sehr sich dies auf das Kollegium, das Miteinander und meine eigene Arbeitsmotivation auswirkt. Ich liebe meinen Job und die Arbeit mit den Kids erfüllt mich sehr. Wenn ich mich aber dabei ertappe, wie ich in der Pause lieber korrigiere als im Lehrerzimmer evtl dem Chef über den Weg zu laufen…dann merke ich, es läuft eher eckig…sehr eckig.

2017

2017….wie sich das schon schreibt…das wird eine ganze Zeit dauern, bis das sitzt. Spricht sich auch irgendwie sperrig, oder? Aber – um ehrlich zu sein – das empfinde ich zu jedem Jahreswechsel so. Da hat man sich gerade an das eine Jahr gewöhnt und zack, schon muss man sich umgewöhnen *pf*
Ich freue mich auf das neue Jahr und hoffe, dass es gesundheitlich noch etwas aufwärts geht, denn leider ist das bei mir doch noch wackeliger als gewünscht.Optimistisch blicke ich auf das nächste gute halbe Jahr mit meiner aktuellen Klasse. Ich ernte gerade die Früchte der harten Arbeit im letzten Schuljahr und genieße es sehr, wie gerne die Kinder in die Schule kommen, wie gerne sie zusammen und mit mir arbeiten, wie interessiert sie sind, welch gute Fragen sie stellen und wie viel Vertrauen sie zu mir haben. Schön ist das!
Sorgenvoll bin ich ob der politischen Veränderungen, die sich im letzten Jahr angebahnt haben und deren Konsequenzen wir sicherlich im gerade neu begonnenen Jahr ausbaden werden müssen. Noch nie zuvor, war es mir so wichtig, auf dem neusten Stand der aktuellen politischen Weltlage zu sein. Wer da bisweilen ähnlich gelagerten Frust verspürt, könnte hierbei ggf. zum Schmunzeln gebracht werden.
Wer für das neue Jahr noch in ein paar neue Lehrerblogs spitzeln möchte, könnte hier noch die eine oder andere Anregung finden. Ich habe mich heute gefreut zu lesen, dass ich auch aufgelistet bin *huch*

Ich wünsche allen, dass 2017 für euch viel Gesundheit, Zufriedenheit, Liebe und Glück bereithält. Ich wünsche euch nette Schülereltern, hinreißende Kinder, kooperative Kollegen, menschliche Schulleiter und genug Freiräume zur eigenen Entfaltung!

Auf geht’s!

 

Wehrhafte Lampen

Über den Hausmeister wurde hier ja schon vor geraumer Zeit einiges geschrieben. Wie in jedem Job gibt es da die engagierten Geschöpfe und die weniger und die, die den Beruf komplett verfehlt haben…also unseren Hausmeister.
Obwohl ich (und soweit ich das beurteilen kann auch die Kollegen) dem Hausmeister trotz übelsten Körpergeruchs, schmutzigem Auftreten, patzigen Antworten (man kann wählen zwischen „nicht meine Aufgabe“ und „dafür hab ich keine Zeit“) und zunehmender Unauffindbarkeit während des Schulvormittages selbstverständlich stets höflich entgegentreten, haben auch die Schüler nun langsam eigene Aversionen entwickelt.
Denn auch wenn sie dem Hausmeister pflichtbewusst Scherben oder ähnliches melden, die auf dem Pausenhof entdeckt werden, werden sie pampig angemotzt und weggeschickt.
Dies nur als kleine Vorgeschichte zum heutigen Lacher das Tages:
In meinem Klassenzimmer gibt es 3 Lichtschalter, je einen für eine Reihe aus Neonröhren an der Wandseite, der Fensterseite und vorne an der Tafel. In der Frühstückspause fällt uns auf, dass eine Röhre ausgefallen ist. Im Stillen danke ich dem Allmächtigen, dass sie nicht blinkend den Geist aufgibt, sondern sofort ausgegangen ist, denn sonst dürften wir dies wochenlang ertragen bzw. im Halbdunkel sitzen (da man dann ja die ganze Reihe an Lampen ausschalten müsste) bis der von mir penetrant gestalkte Hausmeister sich erbarmen würde, das Leuchtmittel auszutauschen.
Während ich also den Schülern mitteile, ich würde den Hausmeister informieren, aber da nichts blinken würde, hätte es ja nun auch keine große Eile….geht die Lampe wieder an.
Still vor Überraschung betrachten wir alle die blinkfrei leuchtende Neonröhre. Ich murmele, sie hätte mich vermutlich gehört und wolle noch nicht getauscht werden.
Ein Mädchen in der ersten Reihe entgegnet, vermutlich könne die Röhre den Hausmeister nicht leiden und wolle nur ja nicht von diesem getauscht werden, weshalb sie lieber wieder funktioniere.
Ich habe bis zum Pausengong gelacht.

Surprise, surprise…

…was für ein Scheiß!  … oh, that’s….nice (?)
Montags zur dritten Stunde anfangen. Das nenne ich mal einen genialen Stundenplan!
Es bedeutet für mich: ein bisschen länger schlafen, eine richtig gute Frisur (weil genug Zeit) hinbekommen, ein aufgeräumtes Haus verlassen und ohne Einsatz von Ellenbogen oder hinterlistiger Tricks („uh…Folie hat der gestern ja gefressen…aber riskier es du ruhig“) in Ruhe den Kopierer benutzen zu können, wenn der Rest schon beschulen muss.
Es heißt aber auch:nur 15 Minuten Zeit im Klassenzimmer für das allwöchentliche Wechseln der Dienste und des Wochenplans. Schnell noch die Tagestransparenzkarten aufhängen und ggf. eine Tafelanschrift o.ä. vorbereiten. Denn in Stunde 1 und 2 findet in meinem Zimmer leider religiöser Fachunterricht statt. Ich darf das Zimmer vor der Pause nicht betreten. Auch nicht 2 Minuten vor der Pause, da ich beim Beten stören könnte. Als ich dies einmal doch tat, wurde gefrühstückt…aber Kollegin Hunkestein möchte sich die Vor-der-Pause-ggf-beten-Option offenhalten. Ja, ich weiß, aber ich hatte gefragt…ich bin selbst schuld…passiert mir sicher nicht noch einmal…man lernt eben nie aus. So darf ich also erst zum Pausengong mein Klassenzimmer betreten und ab dann läuft die Zeit. Doch sofort loslegen kann ich nicht, ich muss kurz innenhalten, denn jeden Montag aufs Neue
bewundere ich voller Staunen das kleine Überraschungspaket, in das Kollegin Hunkestein das Klassenzimmer binnen 90 Minuten verwandelt hat. Nicht jede Überraschung findet sich sofort (wäre dann auch ja sehr langweilig und nicht sehr überraschend) und so blicke ich mich um, während die mittlerweile schon gut internalisierten Leitfragen mich durch das Zimmer steuern:
Hat die Kollegin es erneut geschafft, mehr als eine Kaffetasse in 2 Schulstunden zu verwenden und diese an seltsamen Orten im Zimmer zu „vergessen“? (Der Blick wandert zu den bisherigen Fundorten: Pult (auf/darin/darunter), Waschbecken, Fensterbrett, PC-Tisch, Klavier, Wochenplantisch, Regal, auf dem Schrank…) War sie auch heute in der Lage, die gesamte Tafel (innen und außen, leere Fläche, linierte und karierte Flächen) zu nutzen, aber hatte natürlich keine Zeit mehr, sie zu wischen? Hat sie diesmal den Tafelschwamm verwendet oder doch lieber das Handtuch, das neben dem Waschbecken hängt oder das Geschirrtuch, das sie im Frühstücksregal am anderen Ende des Raumes entdeckte? Sind in meinem Schrank noch Notizzettel oder wurde sie erneut fündig und hat auch den Nachkauf aufgebraucht? Wo wurden 3 Stühle und einen Tisch entfernt / dazu gestellt / verschoben / ausgetauscht / gestapelt? Was sind das für Bücher in meinem Pult? Wie viele konfiszierte Brotboxen / Handys / Spielkarten / Stofftiere / Briefe (…hier bitte eigene Idee/Erfahrungswerte einfügen…) finde ich auf meinem Pult vor und muss sie versuchen den Besitzern, die aus 4 verschiedenen Klassen stammen könnten zuzuordnen?

Achja…die Kollegin findet das Zimmer übrigens sehr schön. Ist immer alles so „sehr aufgeräumt“ und sie findet es ganz „bedauerlich“, dass sie ihren Fachunterricht nicht öfter dort abhalten kann, aber blöderweise arbeite ich ja Vollzeit und okkupiere mein Klassenzimmer dauernd selbst.

Ja, sehr bedauerlich. Man stelle sich vor, ich könnte diese tollen Überraschungen täglich erleben. Zu viel Freude soll ja auch nicht so gesund sein 😉

Junkie

Hatte ich mal erwähnt, dass ich Serienjunkie bin? Das lebe ich aber in den Ferien nur so richtig aus. Dazwischen inhaliere ich Bücher.
In den letzten Wochen zum Beispiel dieses (aber auf 3 Tage verteilt), dieses hier (eine knappe Woche Lesezeit), dann DIESES (an einem Nachmittag/Abend…da wurde weder gearbeitet, noch gekocht…darauf habe ich zu lange gewartet) und zuletzt jenes an einem regnerischen Wochenende. Ihr seht ja, es muss spannend und darf auch mal blutig sein.
Aber keines dieser Bücher stahl sich bisher in meine Träume.
Wohl aber die 6.Staffel einer meiner absoluten Lieblingsserie.Die ferienhabende Grundschullehrerin flüchtete also letzte Nacht im Traum vor den Zombies, zermatschte einige Hirne und rettete (wie soll es auch anders sein) natürlich ein paar Kinder auf der Flucht *seufz* Der Job steckt einfach ganz tief in mir drin 😉
War jedenfalls keine so ganz erholsame Nacht.
Heute werde ich zur Vorbereitung auf die finale Staffel meiner anderen Lieblingsserie deren vorletzte Staffel noch einmal ansehen und damit ein Gegenfeuer legen.
Mal sehen, was heute Nacht dann los ist. Ich tippe auf Zombies in Reifröcken und hoffe, dass sich nicht noch die Sektenmitglieder aus meinem Neufund dazu mogeln, denn Kinder retten während ich von in Spitze gehüllten Zombies verfolgt werde und dabei die Sektenmitglieder befreien muss…das könnte eine anstregende Nacht werden.

In den Ferien…

…habe ich ganz wenig gearbeitet und mich ganz viel erholt. Das habe ich einfach so mal gemacht und das tat richtig gut.
Nebenbei habe ich mal wieder auf den Internetseiten und Facebookseiten meiner Lieblings-Schulbuchverlage gesurft, das eine oder andere Gewinnspiel entdeckt, mitgemacht und was gewonnen. Und schon ist die pädagogische Bibliothek wieder um ein tolles Werk reicher. Nein, ich mache jetzt keine Werbung für eine bestimmte Lehrerhandreichung. Ich freu mich nur und stelle fest:
Glück kommt!
Braves Universum 🙂