sehen vs hören

Was ich höre:
„Achje, du arme Maus. Du musst die 3a jetzt weiterführen. Uah! Die sind furchtbar!“
„Du hast die jetzige 4a? Mach dich auf was gefasst, ein absoluter Chaotenhaufen.“
„Deine neue Klasse? Die hatte ich in Ethik. Grau-en-voll! Da hält keiner die Klappe!“
„Der Ahmet ist doch in deiner neuen Klasse. Bei dem musst du von Anfang an den Daumen drauf haben, sonst tanzt er dir das ganze Schuljahr auf der Nase herum.“
„4a! Da bin ich froh, dass du dieses Jahr Musik gibst. Die wollte ich nicht mehr unterrichten.“

Einmal abschütteln bitte *grusel*
Und dann einfach mal schauen!

Was ich sehe:
24 Kinder, die ein bisschen traurig sind, weil sie gehofft hatten, ihre Lehrerin hätte doch bleiben können.
Aber auch viele fröhliche Gesichter als sie hören, dass ich ihre neue Lehrerin bin. Denn mich kennen sie zum Teil aus dem Vorkurs (schon ein paar Jahre her, aber immerhin) und auch, weil mein Klassenzimmer auf demselben Flur war im letzten Jahr.
Manche hatten Geschwisterkinder bei mir, andere haben Freunde, die in meiner Klasse waren. Die waren alle sehr gerne bei mir…so schlimm kann die Frau Streng dann doch eigentlich gar nicht sein., oder? Als ich Grüße von der letzten Lehrerin ausrichte, mit der ich befreundet bin, macht sich Erleichterung breit. Das ist ein gutes Zeichen für die neue Klasse.
Ich sehe strahelnde Kindergesichter als sie entdecken, dass sie Namensschild, Begrüßungskärtchen und ein kleines Geschenk auf ihrem Platz erwarten. Sie freuen sich, auf ganz andere Art von den Ferien erzählen zu dürfen und bemühen sich, ihre beste Seite zu zeigen.
Nicht alle können schnell wieder zur Ruhe finden, doch lobe ich einzelne, die schon schnell wieder aufmerksam sind, überträgt sich das in Sekunden auf den Rest der Klasse. Nach dem ersten Tag sage ich, dass auch ich aufgeregt war und mich nun freue, dass sie meine neue Klasse sind. Das kann richtig gut werden mit uns, wenn wir uns alle ein bisschen anstrengen.
Ein Kind murmelt: und „wir hätten es nicht besser treffen können“ und guckt dann schuldbewusst (wir wollten doch nicht reinreden) und ich freue mich.

Selbst sehen ist hier die Devise. Und einfach mal die Ohren abschalten.
Das ist jetzt MEINE Klasse und wir werden das zusammen prima hinbekommen!

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Auf zu…

…alten Ufern.
Die Versetzung hat wieder nicht geklappt *grummel*
Diesmal schien es so aussichtsreich.
Wegen Baumaßnahmen musste das Zimmer aber eh weitgehend leer geräumt werden,
nun habe ich es eben wieder eingeräumt.
Eine andere Kollegin hingegen wurde (entgegen ihrem Wunsch) in einen nicht gerade nah gelegenen Landkreis versetzt. Deren Klasse muss/darf/werde ich nun übernehmen. Freude auf allen Seiten! Sie wollte nicht (so weit) weg, die Kinder hofften, dass sie bleibt und  ich wollte gerne mal was Anderes erleben (nach mehr als einer Dekade an einer Schule ist es einfach mal an der Zeit).  Definitiv hat das neue Schuljahr schon jetzt noch Luft nach oben was das Entwicklungspotenzial angeht.
Dennoch: das Zimmer ist nun auch mal wieder entrümpelt und das Arbeitszimmer habe ich ebenfalls anständig neu sortiert.
Die erste Woche ist geplant, die Arbeitshefte sind bestellt und auch das Lux-Heft ist (als kleine Überraschung für die Kids) schon eingetrudelt.
Ich habe für jedes Kind einen ausgefallenen Radiergummi erstanden, der dann mit Namensschild und Begrüßungskärtchen auf dem jeweiligen Platz bereitliegen wird.
Mir selbst habe ich ja den schicken neuen Lehrerplaner gegönnt, in dem nun schon ein paar neue Ideen Platz gefunden haben.
Nur beim Beobachtungsheft bin ich noch unschlüssig. Situative Beobachtungen notiere ich immer sofort digital, Beobachtungen im Fachunterricht finden in meinem Planer Platz und für gezielte Beobachtungen habe ich nun viele Jahre das Beobachtungsheft von Link. Damit komme ich super zurecht. Bisher habe ich noch keine Alternative gefunden, wäre aber auch bereit mal etwas Neues auszuprobieren. Hat jemand Empfehlungen?
Allen ein schönes Schuljahr 2017/2018 und denen, die auch jetzt erst anfangen natürlich einen gelungen Start mit motivierten Kids und netten KollegInnen!

mit ohne Anfassen

Die Turnhalle ist gesperrt, der Pausenhof bevölkert, die Zeit für den Spielplatz zu knapp. Also schieben wir die Tische und Stühle zur Seite und ich schalte den Cd-Player an. „Frau Streng, das klingt so irgendwie nach Tanz!?!“ BINGO! „Jupp, jetzt wird getanzt!“
Die Viertklässler stöhnen und motzen als würde man sie zur Schlachtbank schleifen und vorher noch zwingen das ekligste Kind der Klasse zu heiraten. Ich rufe über die Meuterei hinweg die erlösenden Wort: „Aber mit ohne Anfassen!“
Jubel bricht aus. Tanzen ist nämlich toll (Frau Streng macht nur coole Tänze *jaha*), aber nur mit ohne Anfassen!

Der neue…

…Lehrerplaner für das kommende Schuljahr ist da. Ich probiere (wie so oft) mal wieder einen mir bisher unbekannten Planer aus.
Ich bin verliebt, ich gebe es gerne zu. Aber ob sich aus dem anfänglichen Herzklopfen auch eine dauerhafte Liebe entwickeln kann, das wird erst die Zeit und tägliche Nutzung zeigen. Diesmal habe ich mich in das eher…sagen wir mal…höherpreisige Segment begeben, Sticker inklusive. Mal sehen, ob er hält, was er verspricht. Er ist jedenfalls schon mal wunderschön, gut aufgebaut, viel Raum für Notizen, eine angenehme Farbe (Gelb und Pink…das kann ich im Lehrerzimmer echt nicht mehr sehen)….
Habt ihr euch schon entschieden?

Geständnisse

Ich warte an der Zimmertür bis auch die letzten Vorkurskinder herauströpfeln und sich mehr oder weniger in einer irgendwie gearteten Reihe aufstellen, damit ich sie wieder in den Kindergarten bringen kann. Leira hüpft an mir vorbei in Richtung Gewusel, dreht sich noch einmal um und ruft in singendem Tonfall: „Frau Streheng, ich lieeeeebe dich!“

Bester Job der Welt!

Tanzen gegen den Irrsinn

Die bayerischen Grundschulen befinden sich im Endspurt. Nicht mehr ganz vier Wochen bis zu den Sommerferien.
Im Kollegium macht sich immer mehr Erschöpfung und LmaA-Gefühl breit. Da werden Filme geguckt, denn es lohne sich jetzt ja gar nicht mehr im Fach Hrmsprlf (hier Fach Ihrere Wahl einsetzen) noch ein neues Thema zu beginnen und Lust hätten die Kinder doch eh keine mehr. Auf gar nix hätten die mehr Lust. Durch seien die doch. Mehr als durch. Keiner passe da mehr auf.
Ich höre das mehrfach am Tag…ich höre zu, nehme auf, gehe in meine Klasse und beobachte ganz genau.
Am Nachmittag sitze ich auf meiner Terrasse und gehe in mich. Wirkten meine Schüler heute lustlos? Gelangweilt? Durch? Unwillig?
Nein, nein, nein und nein!
Die Radfahrprüfung ist geschafft (fast alle haben bestanden…man sollte es nicht glauben) und wir schweben auf unserer Führerscheinwolke. Wir sind stolz und trösten die, die einen zweiten Versuch vorbereiten. Da wird in den Pausen geübt und abgefragt.
Das neue Thema in HSU interessiert alle total und mit großer Ernsthaftigkeit werden hier wichtige Sorgen und Fragestellungen erörtert.
Unser Bücherwurm füllt mittlerweile eine Klassenzimmerwand (mehr als 50! Bücher haben wir in unseren beiden gemeinsamen Jahren gelesen…manche richtig dick und als Lektüre, andere ganz fix nur so zum Freuen) und erst gestern hat uns eines viel gelehrt und amüsiert.
Unser derzeitiges Vorlesebuch ist gerade extrem spannend (der Junge ist eben zum Werwolf mutiert!) und Laute der Entrüstung sind immer dann zu vernehmen, wenn die Vorlesezeit für diesen Tag vorbei ist.
Letzte Woche waren wir auf dem Bauernhof, dafür hatten wir viele Fragen vorbereitet und noch einige Tage beschäftigte das Thema die Schüler ganz von selbst. Die letzten Referate werden gehalten, Bücher ausgetauscht und nach den besten Bezugsquellen gefragt. Zu unserer letzten gemeinsamen Lektüre wollen wir das passende Theaterstück besuchen und wir stellen schon Theorien auf, wie das Buch, das wir so liebten, wohl auf der Bühne umgesetzt werden wird. In Mathematik wird gerade gebaut, um eigene Schrägbilder zu zeichnen. Kritisch wird da mit dem Partner verschoben und diskutiert.
Langeweile…ich sehe und spüre sie nicht. Versteckt sie sich zu gut? Bin ich zu kurzsichtig?
Ich glaube nicht…doch zur Sicherheit habe ich noch meine Tanzbibel herausgeholt und zwei richtig tolle Tänze für meine tanzbegeisterte Klasse eingeplant, auf die ich mich nun selbst wie ein kleines Kind freue.
Ach und ich habe noch ein Buch bestellt, das mir schon nach zwei Sätzen die Lachtränen in die Augen trieb. Nur für den Fall der Fälle 🙂

Rad“fahren“

Ja, es ist wieder soweit. Der Fahrradführerschein nimmt uns voll in Beschlag.
Gestern war die erste praktische Übungseinheit mit der Verkehrspolizei dran.
Alle Kinder behaupteten zuvor, sie könnten hervorragend Rad fahren.
Was soll ich sagen: keiner hat sich etwas gebrochen (wenn auch nur haarscharf).
Drei Kinder können gar nicht Rad fahren und üben nun gemeinsam auf der Wiese neben dem Verkehrsübungsplatz.
Nur zwei Kinder sind als Geisterfahrer in den Gegenverkehr gerauscht.
Ein Kind fuhr gegen die Hausmauer (zweimal! An der selbe Stelle!).
Zwei Kinder bemühten sich, einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen.
Einer fiel vom Fahrrad beim Aufsteigen.
Einer kollidierte mit dem Vordermann, weil er zu sehr damit beschäftigt war dem von rechts kommenden die Vorfahrt zu nehmen.

Aber: das Wetter war gut.
Alles in allem: ein gelungener Auftakt!

Bergsteiger

Ich selbst bin leider keine Fee. Ich bin eher der weibliche Typ.
Und Sport fällt derzeit leider meist auch flach.
Dennoch kann ich gehen und das sogar zügig und bergauf. Jaha!
Diese Fähigkeit lassen meine vorpubertären Schülerinnen und Schüler leider vermissen,
man muss sie sehr nachdrücklich einfordern.
Während wir also einen kleinen Hügel in der Stadt bezwingen, höre ich hinter mir die Rufe der Gegeißelten:
„Frau Streng, ich kann nicht mehr!“
„Frau Streheng, meine Füße tun weh!“
„Frau Streng, du bist zu schnell!“
„Frau Streng, ich kann echt nicht mehr! Ehecht nihicht mehr!“
Oben angekommen ist die Klasse ungewöhnlich still. Mit letzter Kraft wird getrunken und geatmet, zum Reden und Springen ist keine Kraft mehr übrig.
Der Ausblick ist herrlich, es dauert jedoch bis die Kinder ihn genießen können, da sie zuerst ein wenig sterben müssen.
Ein paar Stunden später sind wir wieder (man ahnt es: zu Fuß) in der Schule angekommen.
Und nein, wir sind nicht stundenlang gelaufen, sondern knapp 30 Minuten hin und 30 Minuten zurück. Dazwischen wurde gespielt und wie zufällig Stadtgeschichte gelernt.
Wir müssen uns zuerst ausruhen (die Füße fallen fast ab!) und gaaaanz viel trinken.
Danach schreibt die Klasse zum Ausflug.
Stundenlang seien wir gelaufen, schon sehr früh morgens ging es los, den steilsten Berg ihres Lebens hätten sie erklimmen müssen,
noch nie hätte man sie gezwungen so weit zu laufen und das auch noch so schnell.
Der Ausflug war super, toll, das Wetter prima…wenn da nur nicht dieser grausame Hin- und Rückweg gewesen wäre.
Alles in allem also ein Nahtoderlebnis der besonderen Art.

Welttag des Buches

Schon vor den Ferien schürte ich das Feuer die Neugier.
Einen Ausflug würde es nach Ostern geben, an einen besonderen Ort und jeder würde dort ein Geschenk erhalten.
Tagelang rätselten die Kinder: um welch mysteriösen Ort könnte es sich handeln, was würde das Geschenk sein?
Am Freitag vor Ostern dann die Auflösung: Nach den Ferien darf die ganze Klasse mit mir in meine allerliebste Lieblingsbbuchhandlung.
Wir werden viel darüber hören wie Bücher entstehen, wie Schrift entstand, werden Buchstabenkekse essen, bekommen die neusten
Kinderbücher vorgestellt und am Ende darf jeder seinen Gutschein gegen das Buch zum Welttag des Buches eintauschen, das ihm dann gehört.
Als Plakat betrachteten wir vorab das Cover und vermuteten zum Inhalt, die Neugier wuchs.
Nach den Ferien ging es dann eeeeeendlich zur Buchhandlung.
Die Lieblingsbuchhandlung von Frau Streng. Eine Ehre! Das war jedem klar.
Meine Klasse zeigte sich von ihrer allerbesten Seite. Mucksmäuschenstill lauschten sie den Buchhändlerinnen, meldeten sich rege, zeigten sich interessiert. Nur einen Keks aß jeder („wir sind ja nicht zum essen da, gell Frau Streng“)
und mit besonderer Vorsicht wurden Bücher betrachtet und einige erworben (der einzige Ausflug, bei dem man Geld mitnehmen darf).
Der Heimweg war hart („dürfen wir beim Laufen wenigstens ein bisschen lesen?“ „Nur hinten den Klappentext, bitte!“ „Frau Streheng, können wir mal kurz Pause machen und ein bisschen lesen?“)
und die letzte Schulstunde umso enstpannter: Sofort wurde gelesen, gewissermaßen inhaliert. Man hätte eine Stecknadel fallen lassen können.