Rad“fahren“

Ja, es ist wieder soweit. Der Fahrradführerschein nimmt uns voll in Beschlag.
Gestern war die erste praktische Übungseinheit mit der Verkehrspolizei dran.
Alle Kinder behaupteten zuvor, sie könnten hervorragend Rad fahren.
Was soll ich sagen: keiner hat sich etwas gebrochen (wenn auch nur haarscharf).
Drei Kinder können gar nicht Rad fahren und üben nun gemeinsam auf der Wiese neben dem Verkehrsübungsplatz.
Nur zwei Kinder sind als Geisterfahrer in den Gegenverkehr gerauscht.
Ein Kind fuhr gegen die Hausmauer (zweimal! An der selbe Stelle!).
Zwei Kinder bemühten sich, einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen.
Einer fiel vom Fahrrad beim Aufsteigen.
Einer kollidierte mit dem Vordermann, weil er zu sehr damit beschäftigt war dem von rechts kommenden die Vorfahrt zu nehmen.

Aber: das Wetter war gut.
Alles in allem: ein gelungener Auftakt!

Bergsteiger

Ich selbst bin leider keine Fee. Ich bin eher der weibliche Typ.
Und Sport fällt derzeit leider meist auch flach.
Dennoch kann ich gehen und das sogar zügig und bergauf. Jaha!
Diese Fähigkeit lassen meine vorpubertären Schülerinnen und Schüler leider vermissen,
man muss sie sehr nachdrücklich einfordern.
Während wir also einen kleinen Hügel in der Stadt bezwingen, höre ich hinter mir die Rufe der Gegeißelten:
„Frau Streng, ich kann nicht mehr!“
„Frau Streheng, meine Füße tun weh!“
„Frau Streng, du bist zu schnell!“
„Frau Streng, ich kann echt nicht mehr! Ehecht nihicht mehr!“
Oben angekommen ist die Klasse ungewöhnlich still. Mit letzter Kraft wird getrunken und geatmet, zum Reden und Springen ist keine Kraft mehr übrig.
Der Ausblick ist herrlich, es dauert jedoch bis die Kinder ihn genießen können, da sie zuerst ein wenig sterben müssen.
Ein paar Stunden später sind wir wieder (man ahnt es: zu Fuß) in der Schule angekommen.
Und nein, wir sind nicht stundenlang gelaufen, sondern knapp 30 Minuten hin und 30 Minuten zurück. Dazwischen wurde gespielt und wie zufällig Stadtgeschichte gelernt.
Wir müssen uns zuerst ausruhen (die Füße fallen fast ab!) und gaaaanz viel trinken.
Danach schreibt die Klasse zum Ausflug.
Stundenlang seien wir gelaufen, schon sehr früh morgens ging es los, den steilsten Berg ihres Lebens hätten sie erklimmen müssen,
noch nie hätte man sie gezwungen so weit zu laufen und das auch noch so schnell.
Der Ausflug war super, toll, das Wetter prima…wenn da nur nicht dieser grausame Hin- und Rückweg gewesen wäre.
Alles in allem also ein Nahtoderlebnis der besonderen Art.

Welttag des Buches

Schon vor den Ferien schürte ich das Feuer die Neugier.
Einen Ausflug würde es nach Ostern geben, an einen besonderen Ort und jeder würde dort ein Geschenk erhalten.
Tagelang rätselten die Kinder: um welch mysteriösen Ort könnte es sich handeln, was würde das Geschenk sein?
Am Freitag vor Ostern dann die Auflösung: Nach den Ferien darf die ganze Klasse mit mir in meine allerliebste Lieblingsbbuchhandlung.
Wir werden viel darüber hören wie Bücher entstehen, wie Schrift entstand, werden Buchstabenkekse essen, bekommen die neusten
Kinderbücher vorgestellt und am Ende darf jeder seinen Gutschein gegen das Buch zum Welttag des Buches eintauschen, das ihm dann gehört.
Als Plakat betrachteten wir vorab das Cover und vermuteten zum Inhalt, die Neugier wuchs.
Nach den Ferien ging es dann eeeeeendlich zur Buchhandlung.
Die Lieblingsbuchhandlung von Frau Streng. Eine Ehre! Das war jedem klar.
Meine Klasse zeigte sich von ihrer allerbesten Seite. Mucksmäuschenstill lauschten sie den Buchhändlerinnen, meldeten sich rege, zeigten sich interessiert. Nur einen Keks aß jeder („wir sind ja nicht zum essen da, gell Frau Streng“)
und mit besonderer Vorsicht wurden Bücher betrachtet und einige erworben (der einzige Ausflug, bei dem man Geld mitnehmen darf).
Der Heimweg war hart („dürfen wir beim Laufen wenigstens ein bisschen lesen?“ „Nur hinten den Klappentext, bitte!“ „Frau Streheng, können wir mal kurz Pause machen und ein bisschen lesen?“)
und die letzte Schulstunde umso enstpannter: Sofort wurde gelesen, gewissermaßen inhaliert. Man hätte eine Stecknadel fallen lassen können.

Freiwillig Wiederholen

Manchmal nötig, manchmal unnötig gewünscht von Elternseite, manchmal würde es nicht schaden, muss aber auch nicht zwingend sein, wie bei meinem heutigen Elterngespräch:
Ich sitze mit Frau Hernández zusammen und wir besprechen die Leistungen ihres Sprößlings. Er bemüht sich sehr, er geht so gerne in die Schule, die Leistungen sind aber immer noch recht schwach. Freiwilliges Wiederholen könnte sinnvoll sein, deute ich an und werde sofort unterbrochen:
Das Kind sei noch nie gerne in die Schule gegangen und liebt die Schule seit ich die Lehrerin sei. Jeden Nachmittag erhält die Mutter tiefe Einblicke in den vorausgegangenen Unterrichtsvormittag, da ihr jede strengsche Äußerung mit tiefer Ehrfurcht nacherzählt werde. Sie meint: „Ich könnte nicht besser informiert sein, wenn ich mich selbst um 8 Uhr zu Ihnen ins Klassenzimmer setzen würde.“
Und was ein evtl. freiwilliges Wiederholen angeht, das habe sie dem selbstbewussten Sohnemann gegenüber auch schon angedeutet und dieser habe sofort ganz klar Stellung bezogen: „Nein! Das kommt nur in Frage, wenn ich dann bei Frau Streng in der Klasse wäre. Zu einer anderen Lehrerin gehe ich nicht.“
Ach ja 🙂

Händchenhalten erwünscht

„Almabtrieb“ nenne ich das gerne, wenn am Ende der Pause zwei Lehrkräfte 200 Vierklässler von einen in den anderen Pausenhof scheuchen müssen. Raumgreifende Armbewegungen unterstützen meine Aufforderungen („Herrje, Suzanna, nun komm doch bitte da runter!“), Anfeuerungsrufe („Hoppigaloppi Joseph, jetzt aber schnell!“) und Drohungen („Sonst gehst du eben bei mir an der Hand hinüber!“). Verdutzt und geschmeichelt war ich, als gestern eine Schülerin aus der Parallelklasse strahlend antwortete: „Ich würde voll gern an deiner Hand laufen, Frau Streng!“ und mir die Hand hinstreckte.
Bester Job der Welt!

„Wer glaubt,

dass Schulleiter Schulen leiten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter, Zitronen falten.“
Dieser Spruch hat mich so lange amüsiert, so lange es bei uns an der Schule einfach rund lief. Die Schulleitung war seit Jahren bei uns, sehr souverän, zu allen ein recht gutes Verhältnis, man durfte mitmischen, wenn man wollte und wurde gut unterstützt.
Nun haben wir seit ganz kurzer Zeit eine neue Schulleitung. Es läuft jetzt eher eckig als rund.
Und mir wird erstmals schmerzlich bewusst, wie sehr sich dies auf das Kollegium, das Miteinander und meine eigene Arbeitsmotivation auswirkt. Ich liebe meinen Job und die Arbeit mit den Kids erfüllt mich sehr. Wenn ich mich aber dabei ertappe, wie ich in der Pause lieber korrigiere als im Lehrerzimmer evtl dem Chef über den Weg zu laufen…dann merke ich, es läuft eher eckig…sehr eckig.

2017

2017….wie sich das schon schreibt…das wird eine ganze Zeit dauern, bis das sitzt. Spricht sich auch irgendwie sperrig, oder? Aber – um ehrlich zu sein – das empfinde ich zu jedem Jahreswechsel so. Da hat man sich gerade an das eine Jahr gewöhnt und zack, schon muss man sich umgewöhnen *pf*
Ich freue mich auf das neue Jahr und hoffe, dass es gesundheitlich noch etwas aufwärts geht, denn leider ist das bei mir doch noch wackeliger als gewünscht.Optimistisch blicke ich auf das nächste gute halbe Jahr mit meiner aktuellen Klasse. Ich ernte gerade die Früchte der harten Arbeit im letzten Schuljahr und genieße es sehr, wie gerne die Kinder in die Schule kommen, wie gerne sie zusammen und mit mir arbeiten, wie interessiert sie sind, welch gute Fragen sie stellen und wie viel Vertrauen sie zu mir haben. Schön ist das!
Sorgenvoll bin ich ob der politischen Veränderungen, die sich im letzten Jahr angebahnt haben und deren Konsequenzen wir sicherlich im gerade neu begonnenen Jahr ausbaden werden müssen. Noch nie zuvor, war es mir so wichtig, auf dem neusten Stand der aktuellen politischen Weltlage zu sein. Wer da bisweilen ähnlich gelagerten Frust verspürt, könnte hierbei ggf. zum Schmunzeln gebracht werden.
Wer für das neue Jahr noch in ein paar neue Lehrerblogs spitzeln möchte, könnte hier noch die eine oder andere Anregung finden. Ich habe mich heute gefreut zu lesen, dass ich auch aufgelistet bin *huch*

Ich wünsche allen, dass 2017 für euch viel Gesundheit, Zufriedenheit, Liebe und Glück bereithält. Ich wünsche euch nette Schülereltern, hinreißende Kinder, kooperative Kollegen, menschliche Schulleiter und genug Freiräume zur eigenen Entfaltung!

Auf geht’s!

 

Wehrhafte Lampen

Über den Hausmeister wurde hier ja schon vor geraumer Zeit einiges geschrieben. Wie in jedem Job gibt es da die engagierten Geschöpfe und die weniger und die, die den Beruf komplett verfehlt haben…also unseren Hausmeister.
Obwohl ich (und soweit ich das beurteilen kann auch die Kollegen) dem Hausmeister trotz übelsten Körpergeruchs, schmutzigem Auftreten, patzigen Antworten (man kann wählen zwischen „nicht meine Aufgabe“ und „dafür hab ich keine Zeit“) und zunehmender Unauffindbarkeit während des Schulvormittages selbstverständlich stets höflich entgegentreten, haben auch die Schüler nun langsam eigene Aversionen entwickelt.
Denn auch wenn sie dem Hausmeister pflichtbewusst Scherben oder ähnliches melden, die auf dem Pausenhof entdeckt werden, werden sie pampig angemotzt und weggeschickt.
Dies nur als kleine Vorgeschichte zum heutigen Lacher das Tages:
In meinem Klassenzimmer gibt es 3 Lichtschalter, je einen für eine Reihe aus Neonröhren an der Wandseite, der Fensterseite und vorne an der Tafel. In der Frühstückspause fällt uns auf, dass eine Röhre ausgefallen ist. Im Stillen danke ich dem Allmächtigen, dass sie nicht blinkend den Geist aufgibt, sondern sofort ausgegangen ist, denn sonst dürften wir dies wochenlang ertragen bzw. im Halbdunkel sitzen (da man dann ja die ganze Reihe an Lampen ausschalten müsste) bis der von mir penetrant gestalkte Hausmeister sich erbarmen würde, das Leuchtmittel auszutauschen.
Während ich also den Schülern mitteile, ich würde den Hausmeister informieren, aber da nichts blinken würde, hätte es ja nun auch keine große Eile….geht die Lampe wieder an.
Still vor Überraschung betrachten wir alle die blinkfrei leuchtende Neonröhre. Ich murmele, sie hätte mich vermutlich gehört und wolle noch nicht getauscht werden.
Ein Mädchen in der ersten Reihe entgegnet, vermutlich könne die Röhre den Hausmeister nicht leiden und wolle nur ja nicht von diesem getauscht werden, weshalb sie lieber wieder funktioniere.
Ich habe bis zum Pausengong gelacht.