Surprise, surprise…


…was für ein Scheiß!  … oh, that’s….nice (?)
Montags zur dritten Stunde anfangen. Das nenne ich mal einen genialen Stundenplan!
Es bedeutet für mich: ein bisschen länger schlafen, eine richtig gute Frisur (weil genug Zeit) hinbekommen, ein aufgeräumtes Haus verlassen und ohne Einsatz von Ellenbogen oder hinterlistiger Tricks („uh…Folie hat der gestern ja gefressen…aber riskier es du ruhig“) in Ruhe den Kopierer benutzen zu können, wenn der Rest schon beschulen muss.
Es heißt aber auch:nur 15 Minuten Zeit im Klassenzimmer für das allwöchentliche Wechseln der Dienste und des Wochenplans. Schnell noch die Tagestransparenzkarten aufhängen und ggf. eine Tafelanschrift o.ä. vorbereiten. Denn in Stunde 1 und 2 findet in meinem Zimmer leider religiöser Fachunterricht statt. Ich darf das Zimmer vor der Pause nicht betreten. Auch nicht 2 Minuten vor der Pause, da ich beim Beten stören könnte. Als ich dies einmal doch tat, wurde gefrühstückt…aber Kollegin Hunkestein möchte sich die Vor-der-Pause-ggf-beten-Option offenhalten. Ja, ich weiß, aber ich hatte gefragt…ich bin selbst schuld…passiert mir sicher nicht noch einmal…man lernt eben nie aus. So darf ich also erst zum Pausengong mein Klassenzimmer betreten und ab dann läuft die Zeit. Doch sofort loslegen kann ich nicht, ich muss kurz innenhalten, denn jeden Montag aufs Neue
bewundere ich voller Staunen das kleine Überraschungspaket, in das Kollegin Hunkestein das Klassenzimmer binnen 90 Minuten verwandelt hat. Nicht jede Überraschung findet sich sofort (wäre dann auch ja sehr langweilig und nicht sehr überraschend) und so blicke ich mich um, während die mittlerweile schon gut internalisierten Leitfragen mich durch das Zimmer steuern:
Hat die Kollegin es erneut geschafft, mehr als eine Kaffetasse in 2 Schulstunden zu verwenden und diese an seltsamen Orten im Zimmer zu „vergessen“? (Der Blick wandert zu den bisherigen Fundorten: Pult (auf/darin/darunter), Waschbecken, Fensterbrett, PC-Tisch, Klavier, Wochenplantisch, Regal, auf dem Schrank…) War sie auch heute in der Lage, die gesamte Tafel (innen und außen, leere Fläche, linierte und karierte Flächen) zu nutzen, aber hatte natürlich keine Zeit mehr, sie zu wischen? Hat sie diesmal den Tafelschwamm verwendet oder doch lieber das Handtuch, das neben dem Waschbecken hängt oder das Geschirrtuch, das sie im Frühstücksregal am anderen Ende des Raumes entdeckte? Sind in meinem Schrank noch Notizzettel oder wurde sie erneut fündig und hat auch den Nachkauf aufgebraucht? Wo wurden 3 Stühle und einen Tisch entfernt / dazu gestellt / verschoben / ausgetauscht / gestapelt? Was sind das für Bücher in meinem Pult? Wie viele konfiszierte Brotboxen / Handys / Spielkarten / Stofftiere / Briefe (…hier bitte eigene Idee/Erfahrungswerte einfügen…) finde ich auf meinem Pult vor und muss sie versuchen den Besitzern, die aus 4 verschiedenen Klassen stammen könnten zuzuordnen?

Achja…die Kollegin findet das Zimmer übrigens sehr schön. Ist immer alles so „sehr aufgeräumt“ und sie findet es ganz „bedauerlich“, dass sie ihren Fachunterricht nicht öfter dort abhalten kann, aber blöderweise arbeite ich ja Vollzeit und okkupiere mein Klassenzimmer dauernd selbst.

Ja, sehr bedauerlich. Man stelle sich vor, ich könnte diese tollen Überraschungen täglich erleben. Zu viel Freude soll ja auch nicht so gesund sein 😉

10 Gedanken zu “Surprise, surprise…

  1. zum Glück hatte ich einen eigenen großen Raum für mich allein als Religionslehrerin….war auch eine kleine chaoten, aber ich musste mit mir allein zurechtkommen! aber kaffeehäferln gabs bei mir nie…
    vielleicht hilft es wenn du deinen Tisch einfach selber anräumst, 😉oder vielleicht für deine kollegin eine kiste hinstellst! lg gruß aus wien

  2. Was hab ich gerade gelacht … Und meine eigene Situation wieder erkannt. Deshalb drei Tipps, die bei mir bei einem Kollegen (männl)!! in einem gemeinsam genutzten Fachraum tatsächlich geholfen haben, also fast/meist.
    1. ich habe an alle Dinge, die er regelmäßig stehen oder liegen ließ, Zettel geklebt „Bitte wieder in den …. bringen“
    2. ich hab die Klassensprecher gebeten, beim Aufräumen mitzuhelfen, indem sie erinnern und Kinder mit animieren zum Anpacken
    3. der beste Tipp: ich habe eine Hilfekarte entwickelt „So hinterlasse ich den Raum so, dass meine Kollegen auch gut unterrichten können“ oder so ähnlich.
    Diese Karte liegt laminiert und zum Abhaken immer auf dem Lehrertisch.
    Funktioniert, weil es wohl die penetranten Winke meinerseits waren …
    Höhö
    Liebe Grüße und viel tiefes Einatmen und Auspusten und bis 10 zählen …
    Cubi

  3. Liebe Frau Streng,
    wie macht man das, an zwei Kaffeetassen in einem Klassenzimmer zu kommen und an den zugehörigen Kaffee, außer durch selber mitbringen? Oder war ich bisher immer im falschen Klassenzimmer?
    Schön, dass Ihr Klassenzimmer immer aufgeräumt ist. Ich habe jetzt einige Jahre im Zimmer einer Kollegin unterrichtet, die vom Messie nicht mehr sehr weit weg war. Alle verfügbaren Flächen vollgestellt, das Lehrerpult 50 cm unter Papier, daneben ein Schülertisch als Lehrerpult, freie Fläche gerade mal DinA4groß und überall im Zimmer verteilt Umzugskartons mit unbekanntem Inhalt (Wohnungsauflösung bei der Oma?). Es macht viel Freude, wenn man nur zum Fensteröffnen schon Tonnen bewegen muss.
    Irgendwie war es aber immer noch schöner als der komplett leere Raum, den ich derzeit bespielen darf. Da gibt es nämlich nichts: Keinen Overhead, keinen CD-Player, keinen Fensterschmuck (ich habe keine Zeit, das auch noch zu erledigen), aber einen Monsterfernseher mit DVD-Player. Wahrscheinlich muss ich doch einfach auf Filme mit wie auch immer gearteten religiösen Inhalten umstellen. Die Schüler wären sicher dankbar, wenn sie morgens gleich an die letzte Tätigkeit wieder anknüpfen können.
    Betzi

  4. Aber vielleicht hilft es tatsächlich ihr einen festen Platz im Klassenraum zuzuweisen (ob nun Regalecke, Ablage, oder besagte Kiste..) und zumindest alle Fundsachen dort reinzulegen. Insbesondere die konfizierten Schülerdinge würde ich mich weigern zurückzusortieren… wenn die Schüler diese vermissen werden sie sich ja wohl hoffentlich an die Kollegin wenden, die sie Ihnen abgenommen hat und die kann sie dann ja aus ihrer Ecke/Ablage/Kiste holen. Vielleicht merkt sie ja bei der Gelgenheit selbst wieviel Arbeit das macht…

      • Darüber habe ich auch schon nachgedacht (ist ja auch bei uns so), aber ich würde es trotzdem mal probieren. Entweder warten die Schüler dann halt bis sie sie wiedersehen und beschweren sich dann hoffentlich direkt bei ihr, oder sie kommen zu dir in den Raum, aber dann musst zumindest du nicht Ihnen hinterherlaufen. Und wenn ihre Ecke/Ablage/Kiste jedesmal mit Kaffeetassen, Büchern und anderem Kram zugemüllt ist, sieht sie wenigstens mit eigenen Augen, was du ihr sonst alles hinterherräumst . Also mir an ihrer Stelle wäre das dann ja doch peinlich….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s