Rituale


Heute ein kurzer Wunschbeitrag zu meinen Ritualen im Grundschulalltag.
Ooookeee, ehrlich gesagt, ist das wechselnd, weil ich das immer auf die Klasse zuschneide,
aber ich notiere mal, was aktuell so bei mir abläuft.

Es gibt natürlich immer am Morgen etwas.
Diese Morgenetwas läuft ungefähr so:
Jeder Schüler begrüßt mich, wenn er das Zimmer betritt und ich ihn.
Viele mögen mir die Hand geben, was ich schön finde, aber keiner muss.
Ich möchte eindeutig begrüßt werden (ein allgemeines „Hallo“ in den Raum hinein reicht mir nicht) und ich begrüße namentlich. Das ist mir wichtig.
In der Vorviertelstunde legen die Schüler ihre Hausaufgabe (an der entsprechenden Stelle aufgeschlagen) auf dem
Hausaufgabentisch ab, wo sich schnell mehrere Häufchen bilden (z.B. ein Haufen rote Hefte, einer mit Arbeitsheften, einer mit Blockblättern usw.), die einigermaßen geordnet aussehen sollen (man darf bei mir seine Hausi nicht hinwerfen…da werde ich gerne etwas unwirsch, ich werfe Arbeitsblätter ja auch nicht zu).
Wer einen Klebezettel hatte, legt seine Verbesserung auf einen dafür vorgesehenen Tisch und
wer eine Nachricht im Postheft hatte, zeigt mir diese unaufgefordert vor.
Nun kann man mir auch Geld bringen, das gerade für das Kopieren eingesammelt werden muss,
seine Gänsefüßchenbestellung abgeben oder mir einfach vom gestrigen Zahnarztbesuch erzählen.
Jetzt ist auch der richtige Moment um vergessene Hausaufgaben zu beichten und sich einen Stempel für das Mitteilungsheft abzuholen.
Danach zeigt ein Blick an die Tafel den Kindern, ob eine Vor 8-Aufgabe bearbeitet werden soll.
In diesem Jahr haben wir ein schwarzes (die Schüler durften demokratisch über die Farbe entscheiden) Vor-8-Heft, in dem es Rechtschreibaufgaben zum individuellen Fehlerwortschatz gibt, aber letztes Jahr war es beispielsweise ein Rechtschreibfrühstück, manchmal muss man sein Kunstbild fertig malen oder man hat drei Tage lang die Vor-8-Aufgabe eine Seite im Arbeitsheft zu lösen…das variiert.
Unser Gong um 5 vor 8 zeigt, dass man nun langsam fertig werden muss.
Um 8 Uhr gongt es erneut, ich lasse den Blick schleifen und schicke ggf. den Zetteldienst ins Sekretariat um nach fehlenden Kindern zu fahnden.
Ich begrüße meine Klasse mit „Guten Morgen, liebe Klasse 4f“ und meine Klasse antwortet „Guten Morgen, liebe Frau Streng“.
Es folgt nun ein Begrüßungslied, ein englischer Sprechvers, ein Klatschreim…das ändert sich im Laufe des Schuljahres immer mal wieder
und dann geht’s los mit dem Schultag.
Ca. 10 Minuten vor jeder Pause machen wir eine Frühstückspause.
Nun ist Zeit zum Essen, Trinken, Quatschen, Toilettengang….so können die Kinder in der Pause wirklich spielen und sich bewegen.
Oft bereite ich nun mit Kindern etwas zu, wir schälen Obst oder schneiden Gemüse auf, von dem sich jeder nehmen darf.
Einmal in der Woche dürfen (immer 4 andere) Kinder zu unserer Partnerklasse pilgern und mit den Kleinen Lesen, denn wir sind Lesepaten. Diese Aufgabe nehmen die Schüler sehr ernst!
Immer am Freitag in der letzten Stunde halten wir unseren Klassenrat ab, der mittlerweile schon ohne mich stattfindet. Die Kinder konferieren im Stuhlkreis, ich korrigiere (eigentlich nur halb, denn natürlich horche ich mit einem Ohr, was besprochen wird und greife (selten) zur Not auch ein) an meinem Pult. Hier gibt es verschiedene Rollen, die wöchentlich wechseln:
Ein Moderator leitet das Gespräch, ein Regelwächter achtet auf das Einhalten der Gesprächsregeln, der Zeitwächter hat die Uhr im Blick und signalisiert dem Moderator, wann man zum Ende kommen muss und ein Protokollführer notiert Beschlüsse im Klassenratsbuch. Jeder Klassenrat beginnt damit, dass die Schüler erzählen, was sie in dieser Woche gefreut hat.
Anschließend können Konflikte aus der Woche besprochen werden.
Dies hat viele Vorteile:
1. Wir klären eigentlich keine Konflikte mehr während der Woche.
Die Schüler kommen zu mir („Der Berkaan hat mich im Treppenhaus voll geschubst!“) und jammern. Ich zeige mich entrüstet („Och nee! Echt?!“)
und hake nach („sollen wir das sofort besprechen oder wäre das etwas für den Klassenrat“) und die Schüler entscheiden sich in 99% der Fälle dafür, den Konflikt im Klassenrat schildern zu wollen (damit er nicht in Vergessenheit gerät wird er von dem betroffenen Kind ins Klassenratsbuch eingetragen).
2. 80% der „Konflikte“ klären sich bis Freitag und übrig bleiben die wirklich wichtigen, die eben nicht einfach so unter den Kinder geklärt werden konnten (geklärte Konflikte werden im Klassenratsbuch abgehakt).
3. Beschlüsse, die der Klassenrat fällt, haben für die Schüler oft mehr Gewicht als wenn ich eine Konsequenz erdenke.
Nicht selten beschließt die Klasse dann, dass „Frau Streng dem Berkaan seiner Mama eine Nachricht schreiben“ soll, weil „wer halt immer auf der Treppe Kinder schubst, der kann dann vielleicht auch mal nicht in die Pause gehen“
Selten sind Konsequenzen zu hart  und ich greife ein, sodass Berkaan nur eine Pause (und nicht eine Woche lang) das Klassenzimmer hüten muss, meist jedoch wählen die Kinder sie sehr sinnvoll und mit Bedacht.

Eine Sache fällt mir eben noch ein:
Meine Schüler arbeiten immer dann, wenn sie fertig sind, am Wochenplan.
Die Frage „Ich bin fertig, was soll ich machen“ hat sich damit erledigt.
Wer mit seinen Pflichtaufgaben im Wochenplan fertig ist, darf an den Sternchenaufgaben (Memorys, Dominos etc. zu den aktuellen Themen) arbeiten
oder in seinem „Bankbuch“ lesen. Was zur Folge hat, dass die Pflichtaufgaben ein Maß haben, das auch von schwächeren Schülern bewältigt werden kann.

Das Bankbuch haben die Schüler unter ihrem Tisch.
Es ist Pflicht 🙂

Wer mit einer Prüfung fertig ist, legt diese vor und liest dann im Bankbuch, denn aus vielen Jahren Erfahrung ist Wochenplanarbeit während andere Kinder noch an der Probe arbeiten zu unruhig.

So…ich haben vermutlich ganz viel vergessen (Ruhesignal, Tagestransparenz, Antolinstunden….),
aber für mehr ist heute keine Zeit.

Einen geruhsamen Feierabend wünscht
Frau Streng

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9 Gedanken zu “Rituale

  1. Hallo Frau Streng,
    wieder einmal Danke für deine Einblicke. Ich mag es in andere Klassenzimmer „zu gucken“ und Ideen zu bekommen!
    Liebe Grüße,
    Birte

  2. Ohhhh, danke, das ging ja schnell! Vielen Dank für die tollen Einblicke in deine Rituale. Alle auf einmal zu nennen, wäre ja auch ein bisschen viel verlangt. 🙂
    Das mit dem Klassenrat klingt total gut, schreiben die Kinder Konflikte einfach in ein Buch, freitags wird besprochen und die Lösung zu dem Konflikt notiert??? Muss ich unbedingt testen.
    Zu den Aufgaben vor 8 habe ich eine Frage: Wann kommen denn die Kinder? Also wie lange bearbeiten sie die Aufgaben? Und heißt Bankbuch einfach, dass sie ein beliebiges Kinderbuch lesen?
    Macht ihr denn jede Woche WP? Sorry, dass ich so viele Fragen stelle, aber bin noch neu im Geschäft und an allem interessiert, was ich an Tipps so kriegen kann. 🙂
    Deswegen auch meine letzte Frage: Was für Begrüßungslieder, Klatschspiele oder englische Lieder nutzt du denn zu Stundenanfang?

    • Liebe Anna,
      ein Klassenrat will gut eingeführt sein, wobei man damit beginnt zu üben, wie man eigene Anliegen formuliert, was ein Klassenrat überhaupt ist und wie eine Sitzung dessen ablaufen kann usw. Dazu gibt es einige Lehrerhandreichungen! Ich persönlich habe diese hier verwendet und durch eigene Ideen ergänzt.
      Einfach mal ein bisschen was durchschauen und nicht ins Blaue im Hauruckverfahren einführen 😉
      Meine Schüler kommen zw. 7.45 u 7.50Uhr im Klassenzimmer an.
      Wochenplan gibt es bei mir immer.
      Das Bankbuch kann ein Kinderbuch aus meiner Klassenbücherei, ein Buch von Zuhause oder aus dem Bücherbus sein. Ob Gregs Tagebuch oder ein Sachbuch über Krokodile..hier ist alles erlaubt 🙂
      Ich werde bald einmal ein paar Möglichkeiten zum Tagesbeginn hier sammeln!
      Herzliche Grüße!

  3. Vielen Dank für den Einblick! Das mit dem Bankbuch ist eine total einfache, geniale Idee… das werde ich auch mal ausprobieren. Denn bisher bin ich immer etwas unzufrieden, dass die Kinder sich zwar ein Buch aus der Klassenbibliothek herausnehmen, um darin zu lesen, aber bisher noch keine Regelung vorhanden war, wohin mit den „angefangenen“ Büchern, um sie bei entsprechender Zeit weiter zu lesen.

  4. Liebe Frau Streng,

    ich danke dir für die tollen Rituale, die du hier mit uns teilst. In den letzten Jahren konnte ich selbst im Unterricht immer mehr erkennen, dass gut-funktionierende Rituale für den Unterricht sehr wichtig sind.

    Ich freue mich schon auf den zweiten Teil! Bitte nicht zu lange verschieben!

    Ich wünsche ein erholsames Wochenende. Christa

  5. liebe frau streng,

    toller beitrag, ich musste sehr schmunzeln! unterrichte das erste jahr in meiner eigenen klasse und dein beitrag hätte von mir sein können…genauso läuft es bei mir auch ab…morgenarbeit, verbesserungszettelchen, klassenrat etc..
    unterrichtest du zufällig in schwaben?
    liebe grüße,
    So Ja

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