Ligeia


Es ist ein sonniger, wenn auch eiskalter Wintervormittag.
Die Frau-Streng-Klasse ist mucksmäuschenstill und arbeitet höchst konzentriert.
Ja, ich gebe es zu: wir schreiben gerade eine Probearbeit.
Auch ich arbeite an meinem Pult und versuche so viel wegzukorrigieren wie möglich, wenn
sich schon mal am Vormittag die Gelegenheit bietet.
Der Feueralarm erklingt. Die Kinder schauen verdutzt…ich auch.
Leider war ich tags zuvor erkrankt und mutmaße nun, dass ich deshalb den Termin des längst überfälligen Probealarms nicht mitbekommen hatte.
„Ja, meine Lieben, es nützt nix. Stifte weg und aufstellen.“
Ganz fix, aber ohne Hektik finden meine braven Kinderleinchens sich ein einer Zweierreihe zusammen und wir verlassen zügig auf unserem vorgegebenen Fluchtweg das Gebäude.
Wir begegnen der Kollegin Peters, die meinen fragenden Blick mit irritiertem Schulterzucken beantwortet und lautlos die Worte „keine Ahnung!“
formt.
Ok, es scheint also kein geplanter Alarm zu sein, wenn wir beide nichts davon wissen.
Wir passieren im ersten Stock eine Kollegin, die wiederum uns fragend ansieht…nein, auch wir wissen nichts.
Verdächtig wenige Klassen sind unterwegs…ich sehe im Vorbeigehen wie eine zweite Klasse sich gerade Jacken anzieht.
Kein Wunder, dass wir schon im Treppenhaus sind.
So etwas erlaube ich nie… im Brandfall ist Zeit vergeuden um eine Jacke anzuziehen meiner Ansicht nach viel zu gefährlich!

Und so gehts nach draußen mit der Strengklasse.
Da wir eine große Schule sind, haben manche Klassen (MEINE!) einen sehr weiten Umweg zum Treffpunkt zu laufen, um Platz für die nachfolgenden Klassen zu schaffen und Gedränge zu vermeiden.
Kollegin Peters hat denselben Weg…wir verlassen schlotternd das Schulgelände und biegen gerade um die erste Ecke… als unsere Klassen rufen,
die andere Kollegin sei gerade wieder umgekehrt.
Hm? Seltsam! Und nun?
Wir beschließen nonverbal nun gar durchzuziehen und stehen kurze Zeit später mit genau zwei Klassen am Treffpunkt.
Die Feuerwehr rückt mit mehreren großem Einsatzfahrzeugen an, die Kinder sind begeistert…vom Chef oder anderen Klassen ist nichts zu sehen.
Wir wandern also zurück zur Schule.
Dort stehen schon viele Feuerwehrmänner vor und auf dem Schulhof.
Ich spreche den ersten an:
„Tja, wir haben uns halt jetzt mal in Sicherheit gebracht. Aber ich schätze, dass das wohl dann ein Fehlalarm war und wir wieder hinein dürfen?“
„Das haben sie ganz vorbildlich gemacht und jetzt warten Sie mal schön, denn die Bombe haben wir noch nicht gefunden.“
„…“ (So still war meine Klasse schon lange nicht mehr auf dem Schulhof)
„Nein, Spaß! Fehlalarm. Gehen Sie wieder rein.“

Es stellte sich dann heraus, dass es eine Durchsage gab, es handele sich um einen Fehlalarm und man solle in den Klassenzimmern bleiben.
Die Kollegin hinter uns hatte diese Durchsage beim Verlassen des Schulhofes noch gehört und war umgekehrt.
Kollegin Peters und ich waren einfach zu schnell und schon zu weit weg von der vermeintlich brennenden Schule 😉
Zügig eben! Wie sich das gehört!

Die Probearbeit konnten wir vergessen, aber die Kinder waren stolz, dass wir das Flammeninferno definitiv überlebt hätten
und als Bonus die heranbrausenden Feuerwehrautos beobachten konnten.

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2 Gedanken zu “Ligeia

  1. Wie gut ist denn der Feuerwehrmann 😀 😀 😀 😀 Aber mal im Ernst – Jacke anziehen? Lieber ’n Schnupfen, als Verbrennungen!!!

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