Hausaufgaben…unser täglich Brot


Die liebe Birte frage nach meiner Hausaufgaben- und Überarbeitungskontroll-Routine, die ich heute mal versuchen will zu erklären 🙂
Das macht jeder ein bisschen anders und bei mir hat sich das seit dem Ref. auch immer wieder sehr verändert.
Zum Beispiel hatte ich einmal eine Klasse, die aus der 2.Klasse schon gewohnt war, in Gruppen das vollständige Vorhandensein der
Hausaufgaben selbstständig zu kontrollieren und dann die Lehrkraft zu informieren. Wenn es so etwas gibt und gut läuft, dann übernehme ich das natürlich vorerst.
In einer anderen Klasse erbte ich einige Hausaufgabenverweigerer und band deshalb die Vollständigkeit der Hausis in ein Belohnungssystem ein.

Aber seit einigen Jahren mache ich das so:
In der dritten Klasse (in der vierten braucht es das dann nicht mehr, da sind die Kids dann schon sehr ehrlich und kommen von sich aus auf mich zu, wenn etwas fehlt) kontrolliere ich jeden Morgen, ob von jedem Kind jede Hausaufgabe vorgelegt wurde.
Die Kinder legen die Hausaufgaben an der entsprechenden Stelle aufgeschlagen auf den Hausaufgabentisch bei meinem Pult.
Das hat den Vorteil, dass ihnen auffällt, dass dort z.B. drei Hefte liegen, sie aber gerade nur zwei dabei haben.
Wer etwas vergessen (nicht gemacht oder nicht dabei) hat, soll mir das sagen und statt dessen das Postheft vorlegen.
Man wird dann auch gar nicht geschimpft…das wird man ein bisschen, wenn man es nicht von selbst zugibt und ich nachfragen muss.
Nicht sehr, aber ich gucke böse und weise auf vergeudete Zeit hin.
Denn: ich zähle kurz vor 8 Uhr einfach durch, ob alle 25 Deutschhefte hier liegen und wenn das nicht der Fall ist, frage ich noch:
„Ich habe hier nur 24 Hefte, wer hat es denn vergessen“.
Dann gucken (in der dritten Klasse) immer alle ganz unschuldig und ich lasse alle Kinder aufstehen. Ich lese die Namen der Kinder vor,
deren Heft ich habe und sie dürfen sich setzen…wer noch steht, wird böse angeguckt und muss sein Postheft bringen.
In das Post/Mitteilungsheft (das an unserer Schule Pflicht ist) erhält jedes Kind, das eine Hausi vergessen hat, einen entsprechenden Stempel, mit dem Hinweis, welche Hausaufgabe genau fehlt, den die Eltern unterschreiben müssen (auf dem wiederum passenden Stempel).
Ein leuchtender Klebezettel, der nun aus dem Posftheft ragt, zeigt dem Kind und den Eltern, dass hier etwas unterschrieben werden muss.
Die Regel dazu ist: Klebezettel darf nur Frau Streng entfernen…und ich werde sehr streng, wenn jemand anderes das tut.
Den Eltern erkläre ich dies alles am Elternabend und (für die, die nicht da waren) in einem Elternbrief zu Beginn des Schuljahres.
Ich notiere mir nun, dass Melih mir seine vergessene Hausaufgabe und das Postheft am nächsten Tag zeigen muss (auf meinem Tischkalender).
Am nächsten Tag legt Melih (im besten Fall) seine Hausaufgabe auf einen kleinen separaten Tisch für nachgeholte Hausaufgaben und zeigt mir, die Unterschrift seiner Eltern. Auch wenn er die Hausaufgabe nicht nachgeholt hat: der Klebezettel wird entfernt sobald die Unterschrift der Eltern im Postheft zu sehen ist. Wurde die Hausaufgabe nachgeholt: wunderbar.
Wenn nicht, notiere ich mir das in einer entsprechenden Liste. Ich schimpfe nicht.
(Früher ließ ich Kinder dann nachmittags nacharbeiten…das zeigte jedoch wenig/gegenteiligen Erfolg. Meine Schüler haben es daheim oft gar nicht so schön und verbrachten viel zu gerne Zeit am Nachmittag mit mir…die einzige, die sich bestraft fühlte, war ich).
Es liegt nun am Kind und den Eltern, ob diese Hausaufgabe jemals nachgeholt wird, oder nicht.
Ich habe es mir notiert und weise dann gerne im Elterngespräch darauf hin, dass es da ja immer noch fehlende Hausaufgaben gibt, die nicht nachgeholt wurden und „wir deshalb gar nicht weiter über Übungsmaterial oder so sprechen müssen…das können wir tun, wenn Melih seine Hausaufgaben dann mal ganz erledigt“.
Wer in meiner Klasse von Ferien zu Ferien alle Hausaufgaben gemacht (oder eben sofort nachgeholt) hat, der erhält einen Hausaufgabengutschein passend zur Jahrszeit.
Wem etwas fehlt, was nicht gleich nachgeholt wurde…der bekommt diesen Gutschein eben nicht.
Aber er hat immer wieder die Chance auf einen Gutschein, da es sich ja immer nur im einen Zeitraum von max. 6-8 Wochen handelt.

Klebezettel gibt es auch, wenn ein kleiner Teil (z.B. eine Aufgabe) der Hausaufgabe fehlt oder wenn das Kind etwas überarbeiten soll.
Ich notiere dann einen enstprechenden Hinweise im Heft/auf dem Blatt oder hole mir das Kind kurz und erkläre noch einmal, wie diese Aufgabe zu lösen gewesen wäre.
Klebezettel werden immer von den Kindern am Nachmittag gemacht und sollen dann nach maximal zwei Tagen wieder (auf den kleinen Tisch) vorgelegt werden.
Wenn Kinder nun schon mit dem Wochenplan fertig sind, dürfen sie nachfragen, ob es nun auch ok wäre, wenn sie in der Wochenplanzeit an ihrem Klebezettel arbeiten.
Sicherlich wäre es viel einfacher, alles nur zu korrigieren…aber das schauen sich die Kids nur an, wenn ich sie dazu nötige und lernen so aus meinen Korrekturen nicht so viel wie wenn sie selbst noch einmal ran müssen.
Deshalb mache ich mir diese Mühe.
Da ich nachmittags korrigiere (manchmal schaffe ich auch schon etwas, während die Kids gerade einen Hefteintrag erstellen), erhalten sie das Heft mit dem Klebezettel am nächsten Tag. Es kann gut sein, dass wir in diesem Heft arbeiten und es mir wiederum zur Korrektur vorgelegt werden müsste. Das Kind kann also den Klebezettel wieder gar nicht machen, da das Heft wieder bei mir liegt. Es sucht dann das Gespräch mit mir  („Frau Streng, ich hab aber einen Klebezettel, soll ich hinlegen oder mitnehmen“) und ich kann abwägen, was derzeit wichtiger ist z.B. im Hinblick auf die nächste Probe oder ich nehme mir dieses Heft schnell vor und korrigiere, damit dann der Klebezettel gemacht werden kann.
Auch aus diesem Grund gibt es bei mir nahezu jedes Heft doppelt. So kann ich die Mathe 1-Hefte in Ruhe korrigieren und die Kinder im Mathe2-Heft arbeiten.
Natürlich verschwinden anfangs Klebezettel. Ich werde dann sehr streng. Zu Beginn blättere ich also auch immer alle Hefte ganz durch.
Da ich täglich alles korrigiere und darunter mein Zeichen setze, sehe ich sofort, wenn etwas nicht abgezeichnet ist.
Korrigiert, aber nicht abgezeichnet heißt: da war ein Klebezettel.
Wurde dieser nicht innerhalb weniger Tage gemacht oder vom Kind selbst entfernt, dann notiere ich das auf dieser Seite im Heft
und lasse das auch von den Eltern unterschreiben.

Zu Beginn ist das unheimlich viel Orga und die frisst natürlich Zeit.
(Nicht nur) deshalb arbeiten meine Schüler aber zwischen Abgabe der Hausaufgaben und Beginn des Unterrichts
an ihrer täglich wechselnden Vor-8-Aufgabe. Das verschafft mir genug Zeit bis 8 Uhr alles kontrolliert zu haben.
Korrigiert wird dann ja eh am Nachmittag.
In der vierten Klasse läuft es dann von allein.
Kinder legen mir morgens das Postheft vor und wissen, ich will gar nicht hören, warum die Hausi fehlt.
Jeder darf mal Stress haben oder was vergessen…ich stempele den Hausaufg.-fehlt- und den Unterschrift-der-Eltern-Stempel hinein,
Klebezettel dazu und Notiz im Kalender.
Kinder die am Vortag etwas vergessen hatten, zeigen mir die Unterschrift in der Regel auch, ohne dass ich nachfragen muss
(sie wissen ja nun aus Erfahrung, dass es mir reichlich wurscht ist, ob sie es nachgeholt haben oder nicht, aber dass ich sehr nervig werde,
wenn die Unterschrift fehlt…wenn das häufig der Fall ist, bestelle ich mir die Eltern gerne rein und erfrage, was genau an der privaten Situation verhindert, dass sie einmal täglich oder wenigstens alle zwei Tage einen Blick in das Postheft werfen….das sage ich den Kinder genau so und dann habe ich in 99% der Fälle die Unterschrift, ohne dass ich dieses Gespräch führen muss) und ich entferne den Klebezettel.

Und ja: wenn etwas fehlt, was für eine Probearbeit wichtig wäre oder ein Kind nun schon massig Klebezettel angehäuft hat
(denn die entferne ich nur, wenn es gemacht wurde und wer es nicht macht, hat dann bald viele Klebezettel in unterschiedlichsten Farben aus dem Heft ragen), dann streiche ich auch einmal eine Pause oder ein Spiel und lasse das Kind das unter meiner Aufsicht nacharbeiten.
Das gibt es bei mir selten, aber auch das gibt es (in Härtefällen und nur nach Absprache mit den Eltern vorher).

Und ja: die Eltern hassen mich zu Anfang.
Manche sagen das auch in der Sprechstunde, dass sie es heftig finden, was sie alles unterschreiben müssen.
Sie erkennen aber (alle bisher!) an, dass es sich sehr positiv auf die Arbeitshaltung ihres Kindes auswirkt.
Erfahrungsgemäß sind die Eltern (verständlicher Weise) nach einigen Klebezetteln und Unterschriften genervt
und halten dann ihr Kind dazu an, jetzt bitte halt endlich mal die Hausaufgabe anständig zu machen
oder forschen nach, warum genau da schon wieder etwas fehlt, obwohl Sohnemann/Töchterchen doch glaubhaft versichert hatte,
er/sie hätte alles gemacht.
Manche Eltern kommen mir auch zuvor und es wird mir morgens ein Postfheft unter die Nase gehalten, in dem die Mutter mir
schon notiert hat, was genau fehlt (und warum) und dass es nachgeholt werden wird.
Das finde ich prima, denn es zeigt mir, dass die Eltern nun im Boot sind bei den Hausaufgaben und ich nervig genug war 🙂

Hat ein Kind sich geprügelt, Schimpfworte verwendet, sich im Fachunterricht daneben benommen usw. usw. gibt es ebenfalls eine Nachricht an die Eltern und einen Klebezettel.
Eltern von konsequenthausaufgabenvergessenden Schlägern haben es bei mir dann also leider nicht leicht.
Es treibt sie irgendwann zu mir in die Sprechstunde und sie sagen so etwas wie
„Immer ist alles grün! Ich mag das Postheft schon gar nicht mehr aufmachen!“
Meine Lehrerfarbe ist grün.
Ich biete dann schmunzelnd an, auf eine Farbe ihrer Wahl umzusteigen, doch die Eltern wissen, dass auch rot oder lila
es nicht besser machen würden. Ich biete an, Sie nicht mehr zu informieren, doch das wollte bisher natürlich auch niemand.
Also muss eine Lösung her:
Dann sind wir an einem Punkt, das wir an einem Strang ziehen können und die gemeinsame Arbeit geht los.

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8 Gedanken zu “Hausaufgaben…unser täglich Brot

  1. Toll!
    Es erleichtert mich immer ungemein zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die sich diesen Wahnsinn aus Überzeugung antut.
    Genieß den Sonntag!
    Herzliche Grüße von Frau Weh

  2. Vielen Dank für die ausführliche Erklärung! Bin auch neu im Job und habe hoffentlich bald meine eigene Klasse. Habe mir in letzter Zeit auch schon viele Gedanken gemacht, wie man das mit den Verbesserungen handhaben könnte – deine Version gefällt mir sehr gut, weil sie meinen eigenen Ansprüchen sehr ähnelt. Danke also für die Anregungen! Liebe Grüße, Steffi

  3. Was bin ich froh, dass bis zur vierten Klasse bei uns alle Kinder im Hort nachmittags HA machen und es dadurch von den Erziehern schon kontrolliert wird. Merke grad, welches Glück ich hab.

  4. Als selbst Lehrerin von – eh nur – 12 s e h r anstrengenden Rabauken, kam ich heute an meinem Sonntagnachmittag nicht umhin mit viel Begeisterung deinen sehr erfrischenden Blog zu lesen. Oftmals musst ich lachen und mir denken „Oh ja, das kenne ich!“ und dich dafür bewundern, wie toll und mit wie viel Humor du all die Herausforderungen meisterst. Das macht Mut, zeigt mir aber auf der anderen Seite auch, dass es mit meinen Kleinen (1. Klasse) vielleicht ja doch gar nicht sooo schlimm ist. 😉 Oder doch?! Aber eine Frage brennt in mir und die muss ich unbedingt loswerden: Wo kaufst du die tollen Textstempel für das Postheft, die du immer wieder erwähnst? Ich habe zwar ein Set solcher, aber so tolle sind da nicht dabei. 🙂 Einen schönen Sonntag und liebe Grüße aus Österreich. Caroline

    • Liebe Caroline,
      ich habe eine große Stempelliebe und beziehe diese aus unterschiedlichsten Quellen (meist online u in meinem Lieblingsschreibwarenlädchen, das sehr lehrerfreundlich sortiert ist). Ich kann gerne bei Gelegenheit noch mal ein paar Online-Quellen notieren 🙂 Meist läuft es so, dass ich mir denke „oh…ständig muss ich schreiben >> bitte benutze ein Lineal << da wäre ein Stempel total praktisch" u dann so lange google bis ich diesen gefunden habe. Und einmal habe ich mir schon selbst einen online zusammengestellt 😉 weil "stichprobenartig kontrolliert u nachgesehen" dann wohl doch zu speziell war.
      Und nicht vergessen darf man die (Lehrerinnen)Freundinnen, die mich immer wieder mit tollen Stempeln beschenken, sodass ich schon aus ganz Deutschland und ein paar Urlaubsländern
      Stempel mein Eigen nennen darf.
      PS: Für besonders sorgfältig u fehlerfrei gestaltete Hefteinträge u Hausaufgaben, gibt es bei mir dann übrigens Lobsticker…da könnte ich wohl auch schon einen kleinen Laden eröffnen 🙂

  5. Aah, entschuldige, auch Lehrerinnen übersehen manchmal etwas. 😉 Habe den Link schon gefunden. Danke! 🙂 LG Caroline

  6. Mit so einer lange und ausführlichen Antwort habe ich ja nun gar nicht gerechnet 🙂 Vielen, vielen Dank dafür!
    Ich lasse dein System mal einige Zeit auf mich wirken und mir dann überlegen, was ich davon übernehmen kann. Denn dein System gefällt mir wirklich gut! Auch, dass du das Verhalten in der Klasse (Schimpfwörter, Schlagen…) mit drin hast, find ich super. Dann erfahren das die Eltern und es ist auch gleich noch mit Arbeit ihrerseits verbunden – auch wenn es „nur“ eine Unterschrift ist…
    Also, vielen Dank noch einmal!!!
    LG Birte

    • Gerne 🙂 und natürlich gibt es bei vermehrten Verstößen gg Schulregeln wie Prügeleien etc. weitere Maßnahmen meinerseits.
      Ich muss aber sagen, dass der wöchentliche Klassenrat und das Angebot von Kindersprechstunden hier das meiste abfängt!

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