Philosophisch


In der letzten Woche ereigneten sich zwei recht philosophisch anmutenden Kurzgespräche mit Kindern:

1. Ich hänge das letzte der gefühlt 20 Wegweiserschilder auf, damit die Gruppe an Referendaren,
die am nächsten Tag von mir eine Stunde vorgeführt bekommt (ja, ich weiß, Frau Streng ist voll die Lehrerstreberin)
den Weg zu dem Raum, den sie vorher und nachher nutzen können, durch unser riesiges Schulhaus auch wirklich findet.
Er befindet sich in der Nähe der Turnhalle, sodass ich die Umziehzeit meiner Schüler nutze, um ebendieses letzte Schild an einer Tür anzubringen.
Wie immer, wenn ich etwas aufhänge, trete ich ein paar Schritte zurück und kontrolliere, ob das Schild auch gerade hängt
(ich kann das nur mit zwei Schritten Entfernung erkennen, geht euch das auch so?)
und murmle „hm, wie blöd, es hängt ein wenig schief“…gerade will ich leicht genervt den lustig gepunkteten Tesa, den ich so mag,
wieder abknibbeln… als ich mich einer meiner Schüler, der gerade aus der Umkleide kommt, ganz ernst fragt:
„Du, Frau Streng, warum muss eigentlich immer alles gerade sein?“
Ich stocke. Puh! Sehr gute Frage! Meine Schüler erleben wohl recht häufig, dass etwas nicht perfekt gerade hängt/steht/liegt und deshalb
korrigiert werden soll…
Ich wende mich dem Schüler zu und antworte: „Du hast recht! Natürlich muss nicht immer alle gerade sein.“
Er blickt mich mit zweifelnder Miene an. Ich versuche zu erklären:
„Ja..also…ich hab es schon sehr gerne, wenn Sachen gerade sind oder wenn es ordentlich ist. Ich mag das so. Aber es MUSS nicht so sein.
Wir lassen es so einfach mal so hängen.“

Und ja, es blieb so leicht schief hängen. Und nein, ich bin nicht nachmittags nochmal in die Turnhalle und habe es
korrigiert *schwör*. Aber als ich am nächsten Tag zur Nachbesprechung dackelte, fiel es mir sofort auf „schief…es hängt schief…“
und der Satz meines Schülers klang mir in den Ohren: „Warum muss eigentlich immer alles gerade sein?“

(ich beobachte mich derzeit dahingehend ein bisschen selbst…man will ja nicht zwangig werden…jedenfalls bitte nicht,
ohne es zu merken ;))

2. Vorkurs-Zeit:
Die kleinen Motten erzählen begeistert von der anstehenden Faschingsfeier im Kindergarten und
wer sich als was/wer verkleiden will.
Ich verspreche, dass wir uns in der Woche vor den Ferien ausführlich mit Verkleidungen beschäftigen werden,
weil sie offenbar kleine Experten sind. Diese Aussage freut die Kleinen sehr und bereitwillig wird sich einem
neuen Thema gewidmet.
Es schließt sich eine (eher) stillere Phase an, in der die Schüler Zahlen nachspuren und Mengen erfassen.
Mitten in die Stelle fragt Eray: „Duhu, Frau Streheng, meinst du Gott feiert auch Fasching?“
Oha! Frau Streng ist extrem ungläubig und will jetzt lieber ganz vorsichtig sein und keine Illusionen zerstören.
Also frage ich „was denkst du denn?“. Eray überlegt offensichtlich sehr angestrengt und sagt dann
„aber mit wem soll er feiern? Der hat ja keine Familie oder Freunde!“
Ich antworte (entgegen aller Überzeugungen) „Aber der hat doch seinen Sohn, den Jesus“
Eray ist sofort erleichtert. Gott hat jemanden, mit dem er Fasching feiern kann.
Die Welt und der Himmel sind wieder in Ordnung.

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2 Gedanken zu “Philosophisch

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