Der Wunsch-LAA


Jaaaa, heute mal ein kleiner Vergleich:
Wunschdenken vs. Realität

Der Wunsch-LAA:
„Ich fand die Stunde vorhin toll. Darf ich mir das Material kopieren?“
Mein LAA:
„Das Material kopier ich mir übrigens, fand die Stunde gar nicht sooo schlecht.“

Der Wunsch-LAA:
„Dein Unterricht ist toll! Da kann ich mir ganz viel abschauen!“
Mein LAA:
„Ich check echt nicht, warum dein Unterricht immer so viel besser ist als meiner. Das nervt!“

Der Wunsch-LAA:
„Deine Klasse ist bei dir so brav und motiviert. Ich notiere mir schon immer wie du Arbeitsanweisungen und Impulse gibst,
damit alle genau wissen, was jetzt zu  tun ist. Das Belohnungssystem trägt sicher auch viel dazu bei, das habe ich mir auch gleich mal notiert.“
Mein LAA:
„Ich habe schon zu meinen Freunden gesagt, dass ich mir, was Disziplin angeht,
bei dir ja gar nix abschauen kann, weil deine Klasse ja immer so brav ist.“

Der Wunsch-LAA:
„Ach, das macht man alles in der Vorviertel-Stunde?
Das schreib ich mir lieber mal auf, denn nächstes Jahr habe ich ja auch eine eigene Klasse und muss das alles erledigen.“
Mein LAA:
„Ach und morgens hast du ja eigentlich nichts zu tun, oder?“

Der Wunsch-LAA:
„Ja gerne würde ich auch mal eine Stunde zusätzlich bei dir halten.
Dann kannst du mir zuschauen und danach Feedback und Tipps geben. Was kann ich denn da mal machen?“
Mein LAA:
„Super Idee! Aber die acht Stunden eigenverantwortlicher Unterricht reichen mir völlig. MEHR geht ECHT NICHT!“

Der Wunsch-LAA:
„Oh, ich kann auch Kunst bei dir machen, das ich ja in der Parallelklasse eigenverantwortlich unterrichte.
Super, dann kann ich die Stunde danach mit deinem Feedback überarbeiten und gleich nochmal halten!“
Mein LAA:
„Prima Idee! Du darfst mir das Material und eine Stundenplanung in den nächsten Tagen zumailen, dann halt ich die Stunde.“

Der Wunsch-LAA:
„Eine einfache Übungsstunde zu einer Wiederholungseite im Buch.
Ja, das mach ich gerne! Da brauche ich ja dann auch gar kein Material herstellen. Danke!“
Mein LAA:
„Welches Buch? Ach, das hab ich mir noch nicht besorgt. Kannst es mir ja einscannen und mailen.“

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22 Gedanken zu “Der Wunsch-LAA

  1. Echt erschreckend, was so so als Referendare in den Schulen umhergeistert. Sicherlich sind nicht alle so, aber es nimmt glaub schon zu. Sieht man ja schon bei den Praktikantinnen – zu spät kommen, keine eigene Stunde halten wollen. Hallo!?!?!? Das wird später mal euer täglich Brot!
    Danke für deinen trotz des ernsten Hintergrundes witzigen Beitrag!
    Gruß, Jule

    • Danke für deine nette Rückmeldung!
      Ich habe auch bemerkt, dass oft schon in den Praktika gut zu erkennen ist,
      wer WILL (aber eben einfach noch nichts kann….und ja auch einfach noch gar nichts können kann)
      und wer eigentlich nicht will, weil er/sie immer noch glaubt, Lehrer hätten vormittags
      recht und nachmittags frei.

  2. Sind jetzt alle LAAs so unmotiviert und faul, oder liegt es auch etwas daran, dass es ein Mann ist?
    Männer sind in unserem Beruf echt gebraucht, aber manchmal auch irgendwie von einem anderen Stern.
    Ich hoffe sehr, dass du ihm nicht alles gibst/einscannst/mailst/vorbereitest, etc.
    LG

    • Ich denke, dass weder alle LAAs so sind, noch, dass es daran liegt, dass Männer da anders sind.
      Ich sehe es so, dass sich die Reffis ja entwickeln sollen und da ist in diesem Fall noch vieeeel
      positive Entwicklung möglich 😉

      Und nein, ich plane, scanne etc. nicht ein. Ich bringe gerne mal Material mit, wenn man
      freundlich bittet.

      • Ich glaube trotzdem, dass Männer etwas anders ticken, bzw. eher einen Wink mit dem Zaunpfahl brauchen, da sie versteckte Hinweise einfach nicht verstehen.
        Schön, dass du es trotz allem so positiv sehen kannst. Du hast dir dein Lob wirklich hart verdient. Ich kenne das auch, dass es im Kollegium nicht nur Menschen gibt, die sich mit einem freuen können.
        LG wuschel

  3. Hey, ich hab Freunde, die auf’m Finanzamt arbeiten, die wollen den auch nicht 😀
    Ich kann auch nur den Kopf schütteln, diese Mischung aus ungeeignet, undankbar, dreist und für die Zukunft vieler Kinder fatal…, das macht einen doch einfach nur sprachlos!

  4. Oh, wie erschreckend! Und du hast absolut Recht! Ich habe an meiner jetzigen Schule bisher 3 Referendare/Innen erlebt und zwei davon hast du in deinem Blogbeitrag umfassend beschrieben (die dritte war wirklich super).
    Seit dem 1.11. haben wir einen neuen Referendar (männlich). Ich „darf“ ihn betreuen. Der erste Eindruck war super, aber richtig kennen lernen kann ich ihn erst in zwei Wochen. Ich hoffe sehr, er bestätigt den ersten Eindruck, den ich von ihm habe.

      • Ich glaube ich habe GLÜCK!!!
        „Meinen“ Referendar habe ich bisher nur zweimal gesehen, aber die beiden Male haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Offiziell fängt er in der Schule erst in neun Tagen an. ABER: Neben den Einführungsveranstaltungen im Seminar war er eben schon zweimal freiwillig in der Schule und kommt nächste Woche gleich wieder. Er hat Lust zu unterrichten und hat kein schlechtes Auge für die Kinder. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

  5. Nun ja, einige kann ich nachvollziehen. Zum Beispiel das man nicht erkennt, dass die Kinder so brav sind, weil Arbeitsanweisungen und Impulse gut sind. Ich habe auch erst aufgehört so Dinge wie „Und wer macht jetzt den Dreck da weg?“ gegen „Machst du bitte den Dreck da weg?“ zu ersetzen, als ich erklärt bekommen habe das rhetorische Fragen von Kinden oft nicht verstanden werden.

    Aber viele andere sind einfach dreist.

  6. Ist das jetzt echt alles von der gleichen Person oder sind das gesammelte Werke??? Ich bin sprachlos… Da würde ich mal so richtig meine Meinung geigen.

  7. Liebe Frau Streng,

    hierzu passt das aktuelle Buch von Michael Winterhoff „SOS Kinderseelen in Not“. Da geht es genau um solche Verhaltensweisen und deren Ursachen. Ein gutes und erschreckendes Buch. Ich hatte viele AHA-Erlebnisse und habe mich auch in einigem sehr bestätigt gefühlt. (Ich bin auch eine „Frau Streng“ in der Schule und werde dafür immer mal wieder kritisiert, weil man doch nicht einfach etwas von den Kindern verlangen kann, die sollen ja nicht in ihren Bedürfnissen unterdrückt werden.)
    Und die Beobachtung, dass es immer mehr von solchen „Laschis“ gibt, die bestätigt das Buch.

    viele Grüße von Anna

    • Liebe Anna,
      danke für die Anregung. Das werde ich gleich mal googeln durch
      eine Suchmaschine jagen!
      Ich finde übrigens, dass das Wort „streng“ eigentlich nicht unbedingt etwas negatives bedeutet.
      Bei mir bedeutet es: konsequent, sehr klar, strukturiert und so fair ich kann.
      Das Feedback der Eltern war bisher erfreulicherweise auch meist positiv (aber ich mache den Job auch erst ein paar
      Jährchen).

      • Genau. So sehe ich das auch. Ich finde nämlich auch Klarheit und Struktur sehr positiv. Aber für manche ist das etwas extrem negatives. Nur was es mit den Kindern macht, wenn man nur nett und verständnisvoll ist, egal was das Kind tut, das ist das Problem. (Ich bin ja auch nett und verständnisvoll, aber eben nicht bei allem!) Und das sieht manchmal eben erst Jahre später, aber dann kann kaum noch was ändern.
        Meine Bestätigung sind ehemalige Schüler (und ich habe immer die „schwierigen“ in der Hauptschule), die sich bei mir bedanken, dass sie Durchhaltevermögen, Pünktlichkeit und andere „uncoole“ Dinge bei mir gelernt haben.

      • Ich habe eben deinen Beitrag über die LAA’s gesucht und werde ihn meinen Studenten an der Uni mal zum nachdenken vorlesen. Irgendwie kommt mir alles so bekannt vor. Aus der Schule UND der Uni ….
        Zu dem Wort “streng”: Auch ich gelte als extrem streng. Wobei ich es dank meiner Mutter (arbeitet an einer Förderschule) neu formulieren konnte: LIEBEVOLLE KONSEQUENZ.
        Bitte schreib weiter so!!! Ich liebe es, hier zu lesen!

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