Pecunia non olet


Die brave Frau Streng besorgt also in den Ferien schon die Arbeitshefte für Deutsch und Mathematik,
damit man zu Schuljahresbeginn direkt durchstarten kann!
Ich lege also wie üblich ca. 400€ aus und renne dann den Eltern hinterher.
Alle Jahre wieder.
Ich sammle nämlich immer zu Beginn des Schuljahres Geld für die Klassenkasse ein.
Abzüglich Materialgeld für die Fachlehrer, Arbeitshefte und Eintrittsgelder für ein verpflichtendes Kulturprojekt
bleiben von den eingesammelten 50€ noch ziemlich genau 8€ für Ausflüge, Projekte, Lektüre…
In einem Elternbrief im Juli zuvor wird dies den Eltern von mir schon ganz genau dargelegt.
So haben sie also drei Monate Zeit, um die 50€ zu organisieren und wissen auch genau, wofür das Geld benötigt wird.
Und wie immer tun sie auch im dritten Schuljahr so als ob ich die erste Lehrerin wäre,
die jeeeemals Geld von ihnen verlangt hätte.
Als ich zu einer Mutter sagte, ich würde mich freuen, dass Sie heute das Geld dabei hätte,
antwortete sie mir ganz frech, dass sie an meiner Stelle auch erfreut wäre, wenn sie so viel Geld bekommen würde
(sie war heute eine von vielen Nachzüglern, die mir den Klassenkassenbeitrag brachten und konnte wohl nicht fassen,
mit welcher Nonchalance ich mir so viel Geld unter den Nagel reiße).
Pikiert jedoch wurde dann der Gesichtsausdruck als ich mich erdreistete zu erklären,
dass ich dieses Geld schon für 23 Kinder also gut 400€ vorgestreckt habe und sie jetzt
gewissermaßen Material bei mir käuflich erwirbt.

Dennoch kann ich stolz verkünden, dass am dritten Schultag alle Eltern bezahlt haben. Komplett!
Und leider mittels folgendem Druckmittel:

Am zweiten Schultag gibt es die erste Hausaufgabe im tollen neuen Arbeitsheft.
Wessen Eltern nicht bezahlt haben, der bekommt keines,
aber eine nachdrücklich auffordernde Mitteilung ins Mitteilungsheft, dass es schade ist,
dass die kleine Leonie heute kein Arbeitsheft bekommen konnte und wie schön es wäre,
wenn sie dann morgen mitarbeiten könnte (wenn denn Geld gebracht/mitgegeben würde).

Und wer mich nun für einen Unmenschen hält hier noch drei bedenkenswerte Aspekte:

1. Die Kollegen, die Arbeitshefte herausgeben bevor die Eltern bezahlt haben, warten an meiner Schule oft Weihnachten noch darauf.

2. Ich ermögliche Ratenzahlung. Wie in einem Geschäft erhält man von mir kein Heft ohne es zu bezahlen, aber man kann es gerne nach und nach abzahlen.

3. Zwei Drittel meiner Elternschaft erhält einen ARGE-Zuschuss im Sommer für Schulmaterial.

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5 Gedanken zu “Pecunia non olet

  1. ich finde nicht, dass du etwas falsch machst. ich finde aber, dass es – milde ausgedrückt – ein skandal ist, dass so viele eltern im ach so reichen bayern geld vom staat bekommen müssen, um schulsachen bezahlen zu können. noch schlimmer finde ich, dass der staat nicht gleich von vornherein die ausstattung der schulen auch mit material (von wegen lernmittelfreiheit, guter witz) übernimmt. wenn das keine investition wert ist, dann weiß ich nicht was.

  2. Das hat nichts mit dem Bundesland zu tun!
    Hier in NRW in meiner Klasse ist es ähnlich – nur wir strecken ehrlich gesagt die Materialkosten nicht vor, sondern geben halt die Hefte etc. nicht raus, bevor das Geld bezahlt ist. Die Eltern wissen, dass es jedes Jahr nach den Sommerferien soweit ist – und es klappt nicht.
    Nur – ich schreibe jetzt nicht, dass es mich tröstet, dass es woanders auch so ist! :))

    P.S. Man kann sich drüber streiten, ob ein Stück Eigenverantwortung seitens der Eltern noch zu fordern bleibt – …..

  3. Aber das schlimme ist, es ist ja nicht nur an der Grundschule so… ich werden dieses Jahr Abi machen und zum Schuljahresanfang werden überall die Gelder eiingesammelt, Kopiergeld, Geld für eine Messefahrt,Versicherung, für den Jahresbericht und und und.
    An meiner Schule gibt es in den ersten Schultagen eine Liste, auf der steht, für was wieviel Geld benötigt wird und bis wann es abgegeben sein sollte – der Abgabeschluss war am Mittwoch und nicht einmal die Hälfte meiner (ohnehin schon kleinen) Klasse hatte es geschafft, das Geld bis dahin abzugeben 😉 🙂

  4. Arghs, es ist doch immer Dasselbe!
    Erst rennt man hinter dem Papiergeld her, dann will der Wandertag bezahlt werden (oder halt auch nicht), die Lektüre, dann kommt die Schule auf die Wahnsinnsidee, dass man ja Klassenfotos machen muss und dass natürlich der Klassenlehrer das Geld dafür einsammeln soll.
    Ich hab auch noch einiges offen an Schülerschulden. Und es macht mich WAHNSINNIG, wenn die Bratzen dann mit einem gleichgültigen „Hab’s vergessen“ zur Tagesordnung übergehen.
    Nun, ICH hab’s NICHT vergessen, denn es FEHLT auf meinem Konto. Ach ja, ich Dummchen, wir Lehrer verdienen ja so viel, dass das nix ausmacht. Arghs!!
    (*tief durchatme* Alles wird gut! *g*)

  5. 70 Euro gibt es am Schuljahresanfang und dann noch einmal 30 Euro zum zweiten Halbjahr… Das sollte für schon zum wenigstens zum größten Teil ein normales Schuljahr (also nicht 1. Klasse…) abdecken (ausgenommen Ausflüge natürlich). Du könntest ja die dreisten Eltern mal fragen, wofür sie die 70 Euronen auszugeben gedenken, wenn nicht für Schulhefte???

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