Leseübungen


Auf die Bitte von meiner sehr geschätzten Kollegin Frau Hilde
hier nun ein paar (spontane) Ideen zu Leseübungen für Schüler mit
wenige gut ausgeprägter Lesefertigkeit:
Den Eltern sage ich immer, dass man lautes Lesen nie ganz vergessen darf,
denn die Kinder sollen ja irgendwann auch eine Betonung erlernen (Satzgrenzen erkennen lassen, Satzzeichen entsprechend hören lassen, Tempo anpassen etc.),
aber wenn es um sinnentnehmendes Lesen geht, dann sollen solche Kinder immer die Möglichkeit haben, den Text leise zu lesen.
Schüler mit Schwierigkeiten im Lesen konzentrieren sich im Lesevortrag so sehr darauf, richtig zu lesen, dass sie vom Inhalt oft gar nichts mitbekommen (was man gut daran erkennt, das ein Lesefehler den Sinn des Satzes ad absurdum führt, das vorlesende Kind das aber gar nicht bemerkt).

Was mir spontan einfällt (aber ich bin halt eine Grundschultante, das muss man dann für die Sekundarstufe eben auf die „Großen“ anpassen):
– einen Lesepass herausgeben (um das Lesen daheim anzuregen, aber auch, damit die Eltern das gegenzeichnen) und den könnte man dann, wenn er voll ist ja auch irgendwie belohnen
(ich habe einen, der auch nicht soooo kindlich ist, denn stelle ich mal gleich beim Material ein)
– Lesepyramiden wären gut, um das Sehfeld zu erweitern, also das, was der Schüler später dann voraus liest, während er spricht,
Material gibt es zum Beispiel bei Frau Wegerer
– Übungen wie sie auch der Stolperwörtertest als Diagnosemittel verwendet (Da steht zum Beispiel: „Auf dem Tisch steht Boot die Tasse.“ und der Leser muss das falsche Wort finden und streichen) und die würde ich dann auch mit zeitlicher Begrenzung durchführen (denn in Klausuren herrscht ja auch Zeitdruck)
– Was ich schon ein paar Jahre an meine Klassen angepasst mache ist der „Leseprofi im Leseteam“. Da geht es darum, dass die Kinder in der Gruppe Texte erschließen, indem sie nach einem bestimmten Schema zu jedem Absatz Vermutungen anstellen, nachlesen, vergleichen, den Absatz zusammenfassen, eigene Überschriften finden…das ist sehr kleinschrittig und hilft einigen leseschwachen Kinder sehr bei der Texterschließung. Da muss jeder mal  vorlesen, aber keiner sehr lange…das entlastet auch diejenigen, die sehr ungern vorlesen. Sie lesen dann nur einen Absatz und diesen einer Kleingruppe vor (jedenfalls handhabe ich das so).
Den Vorgang an sich kann man auch dem Schüler/den Eltern erklären/notieren und das daheim mit Sachtexten durchführen lassen.
– Was ich außerdem mache in Übungsstunden zur Lesefertigkeit ist, dass die Kinder sich selbst Ziele stecken z.B. „ich will lauter lesen“,„ich muss deutlicher lesen“, „ich will fehlerfrei lesen“ oder auch „ich muss auf die Satzenden achten“ und dann (oft auch in Partnerarbeit) daran mit bestimmten Texten (z.B. nur aus  Hauptsätzen bestehend oder mit der Häufung einer bestimmten orthographische Merkstellen….) üben.
– Um das Wortgedächtnis zu schulen kann man eine Liste von Wörtern untereinander schreiben (5-7 Stück) und der Partner deckt diese ab und dann ganz kurz auf. Dabei wird dann geübt, dass ein Wort nicht wirklich mehr „erlesen“, sondern als Ganzes erkannt wird.
– Im Übungsplan (, mit dem meine Kinder Lernwörter in der Schule oder auch zu Hause üben) habe ich außerdem oft Übungen mit halber Schrift (man sieht nur die obere Hälfte des Wortes und das muss erlesen werden), Spiegelschrift und Geheimschrift.
Diese Schriftarten kann man sich vielfältig im Netz herunterladen z.B. hier.

Um zu motivieren, finde ich übrigens interaktive Bücher und Texte immer gut (die lieben meine Kids) wie zum Beispiel „Die Insel der 1000 Gefahren“
(nach jeder Seite entscheidet der Leser, ob er z.B. weg rennt oder sich der giftigen Schlange in den Weg stellt und liest dann entsprechend auf der angegebenen Seite weiter…so endet die Geschichte auch immer ganz unterschiedlich), die könnte man den Eltern empfehlen. Man kann das aber auch in der Klasse nutzen:
Ich habe das damals mal abgetippt und gekürzt, sodass jedes Kind eine Seite der Geschichte hat und wenn dann da steht „Lies weiter auf S.5, wenn du weg rennen willst“ und die Klasse  entscheidet sich dafür weg zu rennen, dann ist das Kind dran mit Vorlesen, das die Seite 5 gerade in Händen hält. Bei jedem Mal mische ich die Seiten neu. So hat jedes Kind wieder etwas Neues zum Vorlesen und durch andere Entscheidungen (Heute stellen wir uns der Schlange in den Weg) verändert sich auch der Verlauf der Geschichte.

So, das ist für diese halbe Stunde nun vorerst alles, was mir spontan eingefallen ist. Ich mach den Job ja auch noch nicht soooo lange, gell 😉

Vielleicht mag der/die eine oder andere Kollege/in noch etwas ergänzen?

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2 Gedanken zu “Leseübungen

  1. Frau Streng, du bist toll, ganz, ganz vielen lieben Dank!! 🙂
    Du hast hiermit einen virtuellen Latte Macchiato verdient, mindestens! 😉

    Ich werd mich mit B. mal unterhalten und ihn fragen, ob er bereit wäre, sich auf so etwas einzulassen. Ich denke aber, dass er einiges auf jeden Fall mitmachen wird. Es geht ja schließlich auch darum, dass er im schriftlichen und mündlichen Abi ggf. längere Texte in recht kurzer Zeit erfassen und begreifen muss.

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