Sätze, die man…


… an einem Freitag in der Zeugnisschreibezeit wenige Wochen vor Schuljahresende nicht hören will:
– „Oh, ich habe heute einen Wandertag geplant und vergessen, dass deine Schüler ja bei mir in Religion sind. Kannst du die 10 Kinder bitte noch schnell irgendwo unterbringen?“
„Ach, die Noten in WTG, ja das sind einfach dieselben wie im letzten Zeugnis. Schau doch selbst nach und kopier sie dir rüber!“
(Ich hätte es nicht gedacht, aber das ist sche*ße! Statt einer Liste mit Noten, die ich dann eingebe, durfte ich also von jedem Kind das letzte Zeugnis öffnen, Noten merken, Fenster schließen, nächstes Zeugnisformular öffnen, Note einfügen *grmpf*)
„Die Pflichtveranstaltung mit den Kindergärten heute Nachmittag geht übrigens mindestens bis 17 Uhr!“
(Es war dann natürlich gut  18Uhr und das Schulhaus schon komplett abgesperrt, weil der Meister des Hauses mal wieder ignoriert hat, dass die armen Schweine, die am Freitag bis abends Fortbildung haben eventuell doch iiiirgendwann auch wieder aus der Schule raus wollen!)
„Unsere Kooperationslehrerinnen wollte das dritte Eltern-Kind-Kindergarten-Treffen nicht am Nachmittag machen, sondern schon mittags. Das fanden wir blöd! Außerdem ist eine der beiden Lehrerinnen dann krank geworden…naja, wahrscheinlich war die gar nicht krank, die hatte bestimmt nur keine Lust!“
(Da wurde ich dann sehr ernst und konnte mich nicht zurückhalten. Kolleginnen zu verleumden, die alleinerziehend sind und deshalb nicht dauernd Abende freischaufeln können oder ihnen sogar Blaumachen zu unterstellen, ist ja wohl das Allerletzte. Besonders, da diese nicht anwesend waren! Ich ließ es mir nicht nehmen in schillernden Farben von der herrlichen Magen-Darm-Grippe zu berichten, die gerade grassiert und auch mich und einige meiner Schüler erwischt hatte. Als Sahnehäubchen schilderte ich wie sich just am Dienstag eine Schülerin auf dem Weg zum Waschbecken in einem beeindruckend hohen Bogen mitten ins Klassenzimmer erbrach.)
– „Ach, Sie haben jetzt ja frei um viertel eins. Naja, Lehrer haben es ja echt gut! Ach nein, Sie müssen ja kor-ri-gie-ren.“
(Eigentlich stehen wir über diesen Klischees und Vorurteilen, aber mal ehrlich: es gibt Tage, da steht es einem eh schon bis oben hin und da braucht es so etwas dann nicht auch noch und besonders nicht von der eigenen Kindergartenkooperationspartnerin!
Ich bin selbst ursprünglich gelernte Kinderpflegerin und komme aus dem Kindergartenbereich. Nach meiner Ausbildung habe ich mich dann entschieden weiterzumachen, habe den zweiten Bildungsweg eingeschlagen und schließlich Lehramt studiert. Ich kenne die Vorurteile, Kindergärtnerinnen (ich hasse dieses Wort!) würden nur Kaffee trinken und ab und zu mal den Kinder ein paar Buntstifte rüberschieben. Und dann muss ich mir von genauso einer Mistkuh  ähhh Kollegin  Dame anhören, ich würde ja jetzt als Lehrerin echt eine ruhige Kugel schieben. Aber das kennt man ja zur Genüge!
Was haben wir da nicht alles schon gehört:
„ Lehrer müsste man sein: vormittags Recht und nachmittags frei haben“

oder aber auch
„Am besten wäre doch: Im Winter ein Maurer und im Sommer ein Lehrer zu sein!“
und was ich auch hasse
„Hast du SCHON WIEDER Ferien. Ihr habt ja dauernd FREI!“
aber was mich persönlich am meisten zu einer Reaktion reizt:
„Oh Grundschullehrerin! Das ist bestimmt ein süßer Job, oder? Fürs Gymnasiallehramt hat‘s dann wohl nicht gereicht bei dir, hm?“

Ich reagiere dann übrigens meist nicht mehr. Manchmal grinse ich gnädig und nicke (so nach dem Motto: „Nee klar, Lehrersein ist geil. Ich verdien übrigens auch unverschämt viel Kohle fürs Nixtun!“),
hin und wieder murmele ich „wenns so schön ist, dann machs doch selber“
und wenn ich echt schlecht gelaunt bin (bisher ist mir das einmal herausgerutscht) kommt ein
„Nur kein Neid“

Achja, was soll ich sagen, zum Glück ist Wochenende!
Nachdem ich gestern um sieben zwölf Uhr zuhause war und erst mal ein paar dringende Telefonat wegen Fachnoten und Elternbriefen geführt eine Kaffee getrunken und Zeitung gelesen habe, werde ich mich heute an die Planung für die nächste Woche setzen ausgiebig vom Nixtun erholen, dann die letzten Fachnoten in die Zeugnisse eingeben zum Friseur gehen und schließlich mit den individuellen Abschiedsbriefen für meine Viertklässler beginnen ein bisschen in der Stadt bummeln und mir von meinem unfassbar großen Gehalt ein paar neue Schmuckstücke gönnen ;o)
Allen, denen es auch so geht, wünsche ich ein produktives herrliches Wochenende!

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6 Gedanken zu “Sätze, die man…

  1. Ach ja, es gibt doch nichts Aufbauenderes als das dumme Gelaber von Leuten, die Bescheid wissen :-/
    Wenn du als Lehrerin (oder wie ich als vielleicht eines Tages angehende Lehrerin) ein Kind hast und das hat irgendwo was angestellt, wird das mit deinem Beruf in Verbindung gebracht werden (“Pädagogenkinder…”). Wenn dein Kind schlechte Noten heimbringt, heißt es “Aber das müsstest du doch spielend hinkriegen, du bist doch Lehrerin.” Ja genau, Kinder von Ärzten sind ja auch nie krank. Tolle Logik.
    Dann wünsch ich dir noch ein paar schöne Tage bis zu den Ferien, du wirst ja kaum wissen, wie du die rumbringen sollst. Das ewige Kaffeetrinken und Entspannen ist doch bestimmt auf ganz eigene Weise anstrengend 🙂

  2. Ich bin inzwischen so weit und sage gerade raus: „Augen auf bei der Berufswahl!“ Meist bekomme ich dann zur Antwort: „Also den ganzen Tag die Kinder das wäre nichts für mich…“ oder ähnliche Kommentare. Dann komm meinerseits nur noch ein Schulterzucken und ich dreh mich um. Ich mag nicht mehr diskutieren oder mich rechtfertigen.
    Ich stecke auch grad im Schuljahresendstress. Aber das Ende ist nah, 2 Wochen und 3 Tage noch!

  3. ein paar mal im Familienkreis laut gesagt: Intelligenz beginnt bei der Berufswahl
    (auch wenn ich als HS-Lehrerin dieser Meinung eigentlich nicht bin, aber was meinst du wie schnell die Leute da verstummen)

      • Oh, der ist gut, den merk ich mir!

        Ansonsten: Nicht aufregen, Frau Streng, Ignoranz stirbt halt nicht aus. Das ist leichter gesagt als getan, ich weiß. Je nach Tagesform winke ich bei so Sprüchen ab oder werde richtig schön aggro (natürlich nur im Inneren, isjaklaa).

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