Das Radfahrprüfungsdesaster


Es ist einfach grauenvoll.
Ich bin dazu verdammt am Rand zu stehen, den wartenden Schützlingen beruhigende Worte zuzuraunen oder hyperventilierenden Kindern ein wenig den Rücken zu streicheln. Alle sind furchtbar aufgeregt (und ich auch).
Dann nimmt das Elend seinen Lauf: Die Radprüfung beginnt.
Sie gliedert sich in zwei Teile. Zuerst fahren die Kinder eine vorgegebene Strecke ab (bei der sie mehrfach rechts und links abbiegen müssen), danach ist freies Fahren angesagt.
Wie erwartet bekommen die meisten die feste Route recht gut hin. Sie haben diese schon praktisch geübt und wir haben sie mit einem von mir auf Folie gezeichneten Plan ausführlichst durchgesprochen.
Beim freien Fahren jedoch ist dann alles zu sehen, was man sich an Fehlern nur so vorstellen kann:
da wird die Vorfahrt genommen,
ein Kind fährt in die falsche Richtung in die Einbahnstraße,
ein anderer Schüler bremst plötzlich laut vernehmlich mit den Füßen statt den Pedalen oder der Vorderbremse (es klingt wie in einem schlechten Actionfilm, wenn er auf die Kreuzung zu schlittert),
eine Schülerin steigt an der Stelle, an der sie vorhin auf das Rad gestiegen ist, jedes Mal vom Rad ab und wieder auf (bis ich ihr leise zuraunze, dass sie das unterlassen soll…das darf ich natürlich eigentlich nicht, aber keiner hat‘s gesehen J),
ein Mädchen tat sich von Anfang an mit dem Radfahren an sich schon schwer, was die Nervosität wohl noch verstärkt und sie fällt mitsamt dem Rad um (sie versteht übrigens noch immer nicht, warum sie Prüfung nicht bestanden hat und behauptet steif und fest „sonst“ aber gut fahren zu können),
eine weitere meiner Damen gibt ein rechtes Handzeichen, ordnet sich damit auf der Linksabbiegespur ein, um schlussendlich geradeaus über die Kreuzung zu fahren, was es den anderen Teilnehmern absolut unmöglich macht, noch rechtzeitig und sicher zu reagieren…
und ich könnte stundenlang so weiter jammern, aber die Zeugnisse schreien schon wieder vernehmlich nach mir.
Zum Glück hat das Radfahrelend bald ein Ende!

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7 Gedanken zu “Das Radfahrprüfungsdesaster

    • Eigentlich gar nichts. Der „Fahrradführerschein“ sagt aus, dass die Kinder schon recht sicher sind
      und „befähigt“ die Kinder quasi nun auch auf der Straße zu fahren. Aber sowohl der Polizist als auch ich haben
      das mit der eindringlichen Einschränkung „mit deinen Eltern“ versehen.
      Zu meinen Durchgefallenen habe ich gesagt, dass sie in ein paar Jahren, wenn sie bis dahin fleißig weiter üben, dann sicher auch
      auf der Straße fahren dürfen insofern die Eltern das erlauben. Eigentlich Blödsinn (denn ab dem 11.Lebensjahr muss man ja eigtnlich eh auf der Straße fahren), aber derzeit beruhigt sie das einfach.
      Diese Kinder nehmen das nun sehr wichtig, weil es ein „Führerschein“ ist, aber sie werden vermutlich nie mit dem Rad fahren…die Familien besitzen keine…ach irgendwie alles schade das…

  1. Ach die Armen… das erinnert mich an eine Doku die ich letztens gesehen habe – auch Bayern, auch Fahrradprüfung – eines der Mädels, ie durchgefallen ist, hat dann die ganze Nacht deswegen geweint und war dann am Tag danach nicht in der Schule…

    • Bei mir hat auch ein Mädel, das zuerst fast gar nicht radfahren konnte (und auch kein Rad besitzt) und dann sogar schon die Prüfung mitfahren durfte, sehr geweint. Ich hatte vorher versucht, ihr klar zu machen, dass sie noch nicht sicher genug ist, um bestehen zu können, aber das wollte sie mir dann wohl doch nicht so ganz glauben. :/

      • Das ist dann der kindliche Glaube daran, dass einfach alles geht, da hilft auch kein Realitätsanticken der Lehrkraft würde ich sagen 😉 Trotzdem schade für das Mädel

  2. Bei uns gibt es keine Radfahrprüfung mehr, weil es Kindern und Eltern in der Vergangenheit oft eine falsche Sicherheit suggeriert hat. Statt dessen werden theoretisch und mit dem „Luftfahrrad“ 😉 Situationen trainiert, ein theoretischer Prüfungsbogen als Test (das, was mal die theoretische Prüfung war) geschrieben und es findet ein praktisches Training mit der Polizei statt. Die kreuzt dann auch nochmal den Eltern an, was geübt werden muss.
    Finde ich eigentlich ganz gut so.

    LG Alexandra

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