Besuche…


…ehemaliger Schüler sind wundervoll.
Ein paar Mal im Schuljahr platzen ehemalige Schüler in meine letzte Stunde, wenn sie selbst früher Schulschluss haben.
Es klopft. Man rechnet mit einer Mutter, die zwei Punkte in der Matheprobe entdeckt hat und nicht bis 13 Uhr warten kann (ja, auch Lehrer verrechnen sich mal…unfassbar aber wahr…meine Schülereltern sind dann immer ganz stolz und müssen das sofort und natürlich persönlich mitteilen…und dann sind sie auch immer auch ein wenig enttäuscht und nahezu konsterniert, wenn ich mich entschuldige und sie ganz ohne Diskussion die zwei Punkte bekommen)
oder unseren „Hausmeister“ (wer hier mitliest, weiß, warum ich das in Gänsefüßchen setzen muss ;)), der  gerade leider mal wieder ein übergelaufenes Klo entstopfen musste und dieses Desaster nun jeder Klasse persönlich mitteilen möchte (da kann man auch gerade eine Probe schreiben, die Klos gehen VOR! „Mann“ muss eben Prioritäten setzen!)
und dann stehen da plötzlich ehemalige Schüler von mir, die „Überraschung!“ rufen.
„Wir haben heute früher aus und wir haben Sie so vermisst und deshalb sind wir jetzt einfach da!“
Mir wird warm ums Herz, ich werde gedrückt und mir wird gesagt, wie schön ich aussehe und wie schade es ist, dass sie nicht öfter kommen können (die meisten meiner ehemaligen Schüler besuchen eine Ganztagsschule).
Sofort werden sie von mir (immer aber auch äußerst willig) missbraucht, müssen meinen Viertklässlern Rede und Antwort zu ihrer weiterführenden Schule oder zum Übertritt stehen. Groß sind sie geworden, die Pubertät ist ihnen anzusehen, sogar bei den Mädels hört man, wie sich die Stimme verändert hat.
Und abgesehen davon, dass ich in solchen Momenten das Gefühl habe, dass ich meinen Job wohl gar nicht so verkehrt mache, wenn auch nach ein paar Jahren ehemalige Schüler noch das Bedürfnis haben, den Kontakt nicht ganz zu verlieren,  unterstützt mich das auch gegenüber meiner (z.B. neuen) Klasse sehr. Sie schildern, dass sie anfangs auch nicht glauben konnten, was ich ihnen über die weiterführenden Schulen erzählt habe (häufiger Lehrerwechsel, unangekündigte Probearbeiten und Abfragen usw.) und dann sagen sie so tolle Sätze wie „Frau Streng! Du hast uns das so oft gesagt und wir haben es uns nicht vorstellen können, aber du hattest halt voll Recht!“, sie wenden sich zur Klasse und sagen „Ihr müsst so froh sein, dass ihr die Frau Streng bekommen habt, weil die bereitet euch voll gut vor.“
Eine Schülerin hat mal gesagt „Als unserer Lehrerin wegging und wir gehört haben, dass wir die Frau Streng bekommen, hatte ich ein bissl Angst. Ich kannte die nicht und meine Lehrerin mochte ich so arg. Und ich hab meine Lehrerin am Anfang auch vermisst. Aber dann war es ganz toll bei ihr und jetzt vermisse ich die Frau Streng ganz arg.“
An solchen Tagen schwebe ich auf Wolke sieben aus meiner Schule nach Hause und denke mir, was für einen tollen Beruf ich habe und wie gut ich das mache.

Am nächsten Tag spuckt ein Schüler eine anderen ins Gesicht und sagt dann so etwas wie „Aber boah, Frau Streng, der hat mich voll gelangweilt“ , eine Kollegin begrüßt mich mit „DEIN Furkan hat gestern im Schwimmunterricht das Duschgel nach mir geworfen!“,
eine Mutter steht morgens unangekündigt da und sagt mir, wie „unfair“ das ist, dass sie da jetzt auch noch eine Nachricht von mir unterschreiben musste, bloß weil ihr Nachwuchs mal ein anderes Kind ein bisschen gewürgt hat, der solle sich schließlich anständig wehren, die LAA weint nach Schulschluss, weil der Stress so groß ist, dass sie nicht entscheiden kann, was sie der Seminarleitung nächste Woche zeigen will und auf dem Weg zum Auto passt mich eine Mitarbeiterin aus der Mittagsbetreuung ab und eröffnet mir, dass mein Halil aus der Hausaufgabenbetreuung geflogen ist…
auf dem Heimweg erscheinen mir Berufe wie Putzfrau oder Kanalarbeiter äußert attraktiv.
Tja, wie sagt man hier so schön… „hättest was Gescheites gelernt“

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3 Gedanken zu “Besuche…

  1. Ich weiß so gut was du meinst! Aber wir haben was Gescheites gelernt! Und wir machen es gern und gut! Ich muss immer furchtbar weinen, wenn ich meine 4. Klassen abgebe;) und die Kinder auch. Das entschädigt für vieles!
    Heike

    • Liebe Heike,
      da hast du vollkommen Recht! Ich bin beim Verabschieden auch immer eine Heulsuse und die Kinder lösen sich ebenfalls in Tränen auf
      (letztes Mal die Jungs übrigens besonders).
      Damit bin ich an meiner Schule aber immer recht allein und werde deshalb so bissl seltsam angeguckt, wenn ich dann
      schön verquollen in meine Sommerferien starte 😉
      **Es gibt ja Frauen, die so total gutaussehend weinen können. Zu der Sorte gehöre ich
      leider gar nicht 🙂 Ich bekomme rote Flecken und geschwollene Augen und habe von meinem
      Heulanfall auch noch eine Stunde später (optisch) was zu bieten. Zum Glück musste ich in meinem
      Job bisher eher Tränen lachen als weinen und Abschiedstränen sind ja auch ganz besondere Tränen.
      DIE dürfen sein, finde ich!**

  2. Ich finde doch auch, dass wir was Gescheites gelernt haben. Und wenn außer uns sonst keiner der Ansicht ist, dann versichern wir es uns einfach immer mal wieder gegenseitig! 😉
    Solche Momente wie die geschilderten finde ich unheimlich wertvoll, weil man da merkt, dass man die Kindlein nicht einfach „durchschleust“ bzw. wie am Fließband abarbeitet, sondern dass bei manchen auch etwas davon bleibt.
    Das hilft einem dann durch die weniger schönen Phasen.

    Viele Grüße von der Frau Hilde, die auch nicht elegant und gut aussehend weinen kann, sondern verquollene Augen und eine knallrote Nase kriegt. 🙂

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