Siebenhundertdreiundvierzigtausend


Ja ok, ich übertreibe. Ganz so absurd war die Antwort auf meine Frage „Wie viele Millimeter sind in einem Zentimeter?“ nicht. Nicht ganz!

Die Vorgeschichte:
Meine Referendarin hält gerade eine Sequenz zu Maßstab und Höhenlinien. Sie fragte vorher noch, ob sie da das Umrechnen von Längen auch noch einmal explizit üben soll.
„Nein“, lächle ich gnädig. Und denke mir: „Referendare kennen sich halt noch nicht so ganz aus mit dem Lehrplan.“ Ich erkläre freundlich, dass wir das in der dritten Klasse bis zum Umfallen geübt haben und meine Klasse das kann.

DACHTE ICH!

Natürlich (danke, liebes Universum *sarcasm off*) war die LAA auch anwesend als ich eine Hausaufgabe zum Umrechnen des Maßstabs erkläre.
„Achtung! Bei Aufgabe 3 sollst du nun die mm auf der Karte in die Meter in der Wirklichkeit umrechnen. Du weißt wie man das rechnet!“
Zögerlich erhobene Finger lassen mich langsam schon Schlimmes erahnen. Ich helfe nach: „Wie viel Millimeter sind ein Zentimeter.“
„10!“
„Wie viele Zentimeter hat ein Meter?“

„100!“
Innerlich atme ich auf: Na also, sie können es doch!
„Und was musst du nun rechnen, wenn du also Millimeter in Meter umrechnen willst?“
Betretenes Schweigen? Einige Schüler versuchen sich aktiv unsichtbar zu machen.
Ich helfe: „Es war ein langer Tag, ihr seid erschöpft. Ich verrate euch, dass man das malnehmen muss. Also 10 mal 100! Was kommt also heraus?“
Nach den Vorschlägen „eine Million“, „zehntausend“, „hunderttausend“ und „hundertzehn“, rechnen wir gemeinsam an der Tafel.
Wir rechnen 3 mal 10, 5 mal 10, 9 mal 10 und schaffen dann auch endlich 10 mal 100 zu rechnen.

Heute habe ich (anscheinend gibt es masochistische Bedürfnisse in mir, von denen ich selbst noch nicht wusste), erneut gefragt, wie viele Millimeter denn in einem Meter stecken.

To cut a long story short: Wir haben heute einen ausführlichen Hefteintrag zur Umrechnung von Längen erstellt.
Hausaufgabe ist es übrigens bis morgen herauszufinden wie viele Zentimeter in einem Kilometer stecken *seuuuuufz*

(Ich sollte wohl nicht erwähnen, dass ein paar meiner Schüler iiiiirgendwie den Übertritt geschafft haben und dass ich an Tagen wie diesen denke, die sollen nächstes Jahr bitte keinem Lehrer erzählen, wer sie in der 3. und 4.Klasse „unterrichtet“ hat.)
Wenn ich nicht selbst letztes Jahr die Lehrerin dieser Klasse gewesen wäre, hätte ich heute sicher gefragt, was sie da letztes Jahr dazu gelernt haben und ich bin mir sicher, sie hätte im Brustton der Überzeugung geantwortet: „Gar nichts!“

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2 Gedanken zu “Siebenhundertdreiundvierzigtausend

  1. Och och och, liebe Frau Streng – keine Verzweiflung, kein Selbst-Bashing! Nach einer kurzen, anschauungsorientierten (jaha, ich bin nunmal Sonderschullehrerin) Wiederholung wird das schon wieder gehen…Sie (?!) wissen doch: Vergessensphasen und deren Funktion für die Konsolidierung im Langzeitgedächtnis uswuswusw!

    Herzliche Grüße von der Hattifnatte, deren Schüler bevorzugt das kleine Schreibschrift L mit dem Schreibschrift b verwechseln. Und das seit WOCHEN…

    • Liebe Hattifnatte, danke für das aufbauende Feedback!
      Genau das Beschriebene (großzügige Wiederholung, wir messen noch einmal uswusw) wird sich nun in den nächsten Tagen anschließen.
      Ich bin übrigens lieber eine Du als eine Sie…vielleicht weil die Kinder ja auch immer „Duhuuu, Frau Streeeheng“ sagen, wenn sie an mir zupfen?
      Herzliche Grüße!

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