Eine lesende Muffinlehrerin


In meiner Klasse gibt es zwar einige SchülerInnen mit einem deutschen Pass, doch keines meiner Kinder spricht zuhause deutsch. Die Verkehrssprache ist meist die Muttersprache der Eltern, bei manchen meiner Kids sind das auch verschiedene Sprachen, sodass sie daheim beispielsweise arabisch und türkisch sprechen oder afrikaans und englisch und in der Schule dann deutsch. Aufgrund dessen kommt es häufig zur sogenannten doppelten Halbsprachigkeit, mit der viele meiner Kollegen und ich zu kämpfen haben und die das Verständnis der Kinder in beinahe jedem Unterrichtsfach beeinträchtigt.
Lesen finde ich daher ungemein wichtig. Ich animiere die Kinder zum Selbstlesen (Bücher können sie sich alle zwei Wochen kostenlos in der Fahrbibliothek der örtlichen Bücherei ausleihen) und ich lese viel vor. Hilfreich finde ich dabei, dass ich privat auch unheimlich viel lese und sich meine Lesemotivation sowie meine Begeisterung für gute Kinderbücher auf meine Klassen bisher immer irgendwie übertragen hat. Wir nutzen natürlich Antolin, es gibt Aufkleber und Urkunden in verschiedenen Farben (je nach dem, wie viele Punkte man erreicht hat), ich veranstalte „Antolin-Lesestunden“, bei denen wir Matten, Decken, Teppiche und Kissen im Raum verteilen, unsere Schuhe ausziehen und lesen. Es ist still, die Kinder dürfen sitzen oder liegen wie und wo sie wollen. Sie dürfen allein oder zu zweit lesen. Die einzige Bedingung: es muss ein Antolinbuch sein. Wer keines hat, bekommt eines von mir. Solche Stunden genießen die Kinder immer sehr!
Außerdem  liebe ich die Buchreihe „Erst ich ein Stück dann du“, aus der ich sehr gerne im Stuhlkreis mit den Kinder lese. Derzeit ist es „Eine Burg für Ritter Rudi“, die Kinder sind begeistert von der sprechenden Rüstung ohne Ritter und dem Ritter ohne Rüstung!
In der vierten Klasse spielt natürlich auch der Welttag des Buches eine große Rolle. Ich mache dann immer einen Ausflug in eine zauberhafte kleine Buchhandlung in der Nähe, von der ich vorher schon so schwärme, dass die Kinder es kaum erwarten können. Zu Fuß sind es zwanzig Minuten und der Weg von der Schule dorthin ist so einfach, dass die Kinder ihre Eltern später auch selbst einmal zum Buchladen bringen können. Dort gibt es zwei tolle Buchhändlerinnen, die von der Entstehung der Schrift, der Entstehung der Bücher erzählen und aus den neusten Kinderbüchern vorlesen. Die Kinder dürfen sich umsehen, bekommen Buchstabenkekse angeboten und zum Abschied dürfen wir unsere Gutscheine für das Welttagsbuch einlösen. Für einige der Schüler ist es das erste eigene Buch (abgesehen von der Lektüre, die ich vielleicht aus der Klassenkasse finanziert habe).
Sobald wir wieder im Klassenzimmer sind, lesen wir in unseren neuen Schätzen. Jeden Tag gibt es eine kleine Lesehausaufgabe, wobei die Kids nur bis zu einem bestimmten Kapitel lesen dürfen und sich (jedenfalls macht es den Eindruck) auch daran halten (wenn auch unter großen Murren und Knurren, plötzlich hätte sie gern mehr Lesehausaufgabe!). Jeden Morgen gibt es ein kleines Quiz von mir zum letzten Kapitel, bei dem ein Lösungswort gefunden werden kann, wenn man genau genug gelesen hat. Die Kind (und ich) lieben diese Lesezeiten!

Und auch dieses Mal gab es wieder einige Kinder, die ihre Eltern wirklich wenige Tage später in die Buchhandlung schleppten und mir am nächsten Tag stolz ihre neuste Errungenschaft zeigten.
Ein süßes pinkes Buch wurde gekauft, das die Buchhändlerin uns vorgestellt hatte. Darin geht es um ein Mädchen, das eine Doppelgängerin aus Kuchenteig hat, die nach Muffins duftet. Während die nette Dame davon erzählte, lehnte sich eine Schülerin, die dicht neben mir saß, an mich und flüsterte: „Die riecht bestimmt wie du! Du riechst auch immer so lecker!“

Hach, schön!

Ok, ich verrate noch, woher ihre Assoziation stammt: In meiner Schultasche habe ich immer ein Deodorant dabei. In meinem Klassenzimmer wird es sehr warm, da ich den ganzen Tag Sonne habe. Im Winter ist das herrlich, aber ab Mai eher ein Brutkasten.
Wenn die Kinder in die Pause stürmen oder Schulschluss ist, gönne ich mir manchmal einen kleinen Deosprühstoß, um mich wieder etwas frischer/duftender zu fühlen. Und derzeit ist es ein Deo mit Schokoduft. Kein Wunder, dass meine Kinder also beim Thema Kuchen sofort an mich denken! 🙂

Das passiert mir übrigens öfter (auch wenn ich gerade nicht nach Schoki dufte)…vielleicht weil ich immer Parfum trage?
Letztes Schuljahr haben wir im Schulhaus übernachtet. Die Kinder machten gerade eine Rallye und trudelten nach und nach wieder bei der Kollegin und mir im Pausenhof ein.
Unvermittelt stand eines meiner Mädchen ganz dicht bei mir und schnupperte an mir: „Mmmmm, riechst du gut, Frau Streng!“
Weitere Kinder schlossen sich schnuppernderweise an und es bildete sich nach und nach eine Traube um mich, aus der Laute der Entzückung zu hören waren.
„Die Frau Streng riecht echt toll!“
„Ja, die riecht aber immer so toll!“
„Aber heute riecht sie besonders toll!“
Meine Kollegin sah mich an, als ob auch sie gleich an mir schnuppern wollte und ich musst zwar breit grinsen, gebe aber zu, dass es mir dann nach ein paar Minuten ausgiebigem Geschnuppere auch genug war 🙂

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