Wenn Hefte sich ausruhen


In meiner Schule haben nicht alle Kinder Unterstützung durch ihre Eltern in Bezug auf Hausaufgaben und das Besorgen von Materialien etc. Viele besuchen eine Mittagsbetreuung, Hausaufgabenbetreuung oder den Hort, aber was sie dort nicht schaffen, bleibt oftmals ungemacht.
Deshalb führe ich ein Mitteilungsheft.
Jede fehlende Hausaufgabe vermerke ich dort (mit einem Stempel) und –ich gebe es zu, ich bin ein absoluter Stempelfan- jedes Mal müssen die Eltern das abzeichnen (dazu der praktische Stempel „Unterschrift der Eltern“ samt Linie). Bei manchen Eltern bedeutet das, mir mehrfach in der Woche zu zeigen, dass sie davon Kenntnis haben, dass ihr Kind die entsprechende Hausaufgabe nicht oder nur teilweise erledigt hat. Ein leuchtender Klebezettel, der aus dem Heft ragt (und NUR VON MIR entfernt werden darf), signalisiert, dass ich auf eine Unterschrift warte. Mehrere Zettel in verschiedenen Farben sollen Dringlichkeit vermitteln, da für jede erwartete Unterschrift ein neuer Klebezettel dazu kommt.
Auch wenn es vielen Eltern unangenehm ist, dass ich sie somit immer wieder darauf aufmerksam mache, dass ihr Kind nicht alles das erledigt bzw. vorgelegt hat, was aufgegeben war, so sind doch bisher alle Eltern für diese Regelung.
Gerne benutze ich in diesem Zusammenhang auch den „Bitte kommen Sie in meine Sprechstunde am____ um ____“ Stempel, den
„Du bist zu spät gekommen“-Stempel und den „Arbeitsmaterial fehlt“- Stempel.
Und bei täglich mindestens fünf, manchmal auch bis zu zehn nicht oder nur teilweise erledigten Hausaufgaben spare ich mit meiner Stempelei einiges an Zeit (als wenn ich das alles ausformulieren müsste).

Leider habe ich zwei Schüler, die auch nach schon fast zwei Schuljahren engmaschiger Kontrolle, einiger Nachmittags-Nacharbeits-Terminen, Verstärkerplänen, Ausschluss von Spielen etc….immer noch kaum Hausaufgaben machen. Und einen Schüler, Mikail, der zwar nie alles hat, es aber immer irgendwie nachholt.
Leider zeigt er mir auch nie, wenn seine Mutter Nachrichten an mich verfasst hat oder er mir etwas abgeben soll.
So verpasste die Familie den Infoelternabend an der weiterführenden Schule ebenso wie auch die Anmeldung zur Ganztagsbetreuung dort für das kommende Schuljahr.
Nun erhielt ich die Nachricht der Mutter (die ich wie immer beim prophylaktischen Durchblättern von Mikails Mitteilungsheft entdeckte), dass sie dringend eine Kopie der Zwischeninformation bräuchte. Statt mir diese zu geben (für die Anmeldung), hatte Mikail das Dokument wohl verloren.
„Jetzt sag bloß, du hast echt das Zeugnis verloren!???“, frage ich morgens nach. Das war selbst Mikail noch nicht gelungen!
Mikail reagiert entrüstet und antwortet im Brustton der Überzeugung: „Nein! Hab ich nicht!“
und dann etwas verhaltener: „Wir finden es nur nicht mehr!“
Jaja, meine Kids können kaum einen grammatikalisch fehlerfreien Satz bilden, aber solche Feinheiten werden dann schlau herausgearbeitet!
Sehr schön heute auch mein Gespräch mit Furkan:
„Warum hast du das nicht in dein Musikheft, sondern auf den Block geschrieben. Das hatte ich doch vorhin extra betont!“
„Mein Musikheft ist heute daheim geblieben.“
Es führte dann auch bei Furkan zu großer Erheiterung als ich erklärte, dass das klänge, also ob sich morgens folgender Dialog zwischen Furkan und seinem Heft entsponnen hätte:
„Guten Morgen, liebes Musikheft. Bist du soweit? Können wir in die Schule gehen?“
„Och nöööö! Ich hab heute echt keine große Lust. Ich bleibe heute mal lieber daheim!“
„Achso, schade, dann sage ich Frau Streng Bescheid, dass du heute mal lieber daheim geblieben bist. Machs gut!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s