Mit offenem Mund … oder … Der „Meister“ des Hauses (Teil 2)


In meiner Schule findet eine Projektwoche zu unserem Leitthema statt.
Da ich in der Steuergruppe dieses Projektes bin, bringe ich mich gerne mit zusätzlicher Arbeit ein und habe zwei zeitfüllende Aufgaben übernommen.
Eine ist  schulhausgestalterischer Art: jedes Kind unserer Schule gestaltet etwas zum Projektthema und die schönsten 5-7 Werke jeder Klasse werden an der großen Glasfront zum Pausenhof hin ausgestellt. Die anderen Werke werden natürlich auch (im Schulhaus verteilt) ausgestellt. Damit es schon zu Beginn der Projektwoche etwas zu sehen gibt, habe ich bereits am Donnerstag Nachmittag mit einigen hilfsbereiten Schülern meiner Klasse die schönsten Werke aus vier Schulklassen an der Glasfront angebracht. Sie waren mit viel Mühe und so farbenfroh gestaltet, dass wir schnell viele Kinder auf der anderen Seite der Glaswand stehen sahen, die die Bilder bewunderten und die Texte eifrig lasen. Da verbringt man doch gerne seinen Nachmittag mit einer solchen Aufgabe.
Auch am Freitag hatte ich mir nach der Schule eine Stunde Zeit eingeplant, um die Werke weiterer Schulkassen zu ergänzen. Ich war mit einer Kollegin kurz etwas essen, komme in den Pausenhof, mein Blick schweift automatisch zur Glasfront und was sehe ich? NICHTS!
Die Glasfront ist leer! Nicht ein Bild, kein Text, nichts hängt dort mehr!
Dass ich mit offenem Mund unbewegt auf dem Pausenhof stehen geblieben war, bemerkte ich erst, als ein Kind mich mit meinen Name laut grüßte. Ich rannte zur anderen Seite der Glaswand, sah dort gerade die Putzfrauen die letzten Klebstreifenreste von den Fenstern lösen und erfasste mit einem zweiten fassungslosen Blick, den großen Müllbeutel …gefüllt mit nassen, zerrissenen Schülerarbeiten. Genau 24 Stunden nachdem wir sie dort aufgehängt hatten.
Ich möchte nicht im Detail ausführen, wie ich (in meiner Wut) einige böse Sätze zu den Putzfrauen sagte, die mir dann erklärten, der Hausmeister hätte ihnen aufgetragen, diese Fensterfront leer zu machen und zu putzen.
Anscheinend hatten sie erst versucht um die vielen Werke der Kinder herumzuwischen, sodass diese aber vom Wasser durchweicht wurden und dann alles abgerissen. Ganz, wie es der Hausmeister ihnen aufgetragen hatte. (Eine halbe Stunde später entschuldigte ich mich bei den Putzdamen für mein ungehaltenes Auftreten…es war ja wirklich nicht ihre Schuld!)

Kann man sich das vorstellen?
Die Wut trieb mir die Tränen in den Augen und ich dachte an die süßen Kinder, die in dieser Woche immer wieder in meinem Klassenzimmer standen. „Guten Morgen, liebe Frau Streng. Bitte entschuldigen Sie die Störung. Wir bringen hier die schönsten Werke, die wir für die Projektwoche ausgesucht haben.“
Der Hausmeister darf Gott auf Knien danken, dass er mir an diesem Tag nicht wieder über den Weg gelaufen ist. Da ich noch eine Fortbildung im Schulhaus hatte und also nicht wütend nach Hause fahren konnte, zog ich mich in mein Klassenzimmer zurück, beruhigte mich, hübschte mich wieder etwas auf (zum Glück hat frau von heute immer den halben Hausstand dabei, so also auch Puder, Kajal und Kamm) und widmete mich (mehr um mich abzulenken) meinen Korrekturen.
Da klopfte es an meine Klassenzimmertür und mein Chef trat ein. Mit einem Kind war er auf der Suche nach einer vermissten Jacke. Und er kam mir und meiner immer noch schwelenden Wut gerade recht…
Am Montag ist der Hausmeister dran!

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