Der „Meister“ des Hauses (Teil 1)


Hausmeister. Ein gewichtiges Wort. Und eine wichtige Person in jeder Schule, jeder Universität, jedem großen Bürokomplex. Meine Lehrerinnenfreundinnen berichten, wie ihr Hausmeister kleine Vogelkästen für und  mit den Kinder baut, wie er hilft, den Schulgarten in Schuss zu halten, wie er jeden Abend die Räume abschreitet und vergessene Lichter löscht. Wie Hausmeister an Konferenzen und Schulveranstaltungen teilnehmen. Das soll es WIRKLICH geben.
Und ich beneide diese Freundinnen. Ich bin an meiner Schule schon seit meinem Referendariat. Und ich kenne leider nur unseren „Hausmeister“. Meist kann ich seine Antworten auf 90% unsere Fragen und Bitten vorhersagen. Seien es defekte (oder noch schlimmer ständig blinkende) Neonröhren im Klassenzimmer, ein defekter Tageslichtprojektor, ein dringend benötigtes Verlängerungskabel, eine funkende Steckdose oder eine Tafel, die sich nicht mehr öffnen lässt…es bedarf keiner hellseherischer Fähigkeiten, seine Reaktion vorherzusagen, da er zwei Standardantworten parat hat:
„DAS ist nicht meine Aufgabe“ oder aber auch gerne
„Da hab ich momentan gar keine Zeit dafür“.
Und so kommt es, dass ich (wie viele meiner Kolleginnen) in meinem Klassenzimmer einen Schraubenzieher/dreher mit Aufsätzen in allen Größen, einen Hammer, Nägel in verschiedenen Größen und Stärken, eine Wasserwaage und einen Zollstock habe. Sämtliche Verlängerungskabel stammen natürlich von mir und die Kommoden hat mein Mann mir aufgebaut bzw. saßen liebe Freundinnen mit mir nachmittags in der Schule und haben gemeinsam mit mir Kommoden/Schränke/Regale verschoben, aufgebaut oder repariert.
Ich kann den Overheadprojektor öffnen und selbst Birnen und Linse austauschen und mit einer großen Leiter und einem Schraubenzieher bin außerdem in der Lage selbst eine Röhre meiner Klassenzimmerlampen zu wechseln. Außer der Starter ist kaputt (ja, das kann ich auch schon herausfinden!)….das muss dann der Elektriker machen, der mir –nachdem ich drei Monate nur wenig Licht hatte- sein Kärtchen zusteckte, als ich ihm erzählte, dass mein Hausmeister mir glaubhaft versicherte, er hätte ihn informiert und eine Wartezeit von zwei Monaten sei ganz normal. „So a Gschmarri…zwei Tage…höchstens!“, waren seine Worte.
Letztes Jahr habe ich mit einer lieben Kollegin eine Abenteuernacht in der Schule veranstaltet. Wir haben Spiele gespielt, Lieder gesungen, eine Schulhausrallye veranstaltet, ein Lagerfeuer (in einer Feuerschale) im Pausenhof gemacht, Marshmallows gegrillt (die gibt’s auch für muslimische Kinder ohne Zusätze vom Schwein, ich musste nur dreimal durch die Stadt fahren, aber das war es wert! So viele leuchtende Kinderaugen!!!). Wir haben ein paar Kurzfilme geguckt, eine Märchen-Cd gehört, gelesen und übernachtet. Also die Kinder 🙂  Wir Lehrerin hatten zwei Stunden Schlaf. Klugerweise von Donnerstag auf Freitag, sodass wir dann nachmittags ins Bett fallen konnten.
Natürlich haben wir vorher alles mit der Schulleitung abgesprochen, die Feuerwehr und Polizei frühzeitig informiert und die Eltern ins Boot geholt.
Aber wer hat sich (als einziger) bis zum Schluss vehement gesträubt. Der Hausmeister (denn der wohnt im Erdgeschosse der Schule)! Seine Frau und er fühlen sich dann durch den Lärm gestört, nicht dass die dann immer reden, rufen, rumlaufen oder was anzünden….
Als mein Chef mir das dann so vortrug, platzte es aus mir heraus:
„Tja, dann ist Hausmeister an einer GRUNDSCHULE eventuell nicht ganz der richtige Job für den Herren!“
Nach der Übernachtung war der „Meister“ des Hauses dann übrigens ganz kleinlaut. Schon um zehn sei es ja ruhig gewesen und er hätte dann irgendwie gar nichts mehr von uns (aus dem zweiten Stock) gehört…mysteriös…
ahja!

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